Das klingt jetzt erst Mal nach einem absolut nutzlosen Tipp:

Produktiver wird man vor Allem durch Produktivität.

Aber das hier ergibt gleich Sinn! Versprochen!

Ich muss nur ein bisschen ausholen…

Ich mache gerade ein Praktikum, und kann nach kurzer Zeit schon sagen: Ich LIEBE meinen Job! Er ist ziemlich genau die Kombination aus Psychologie und Informatik, für die ich studiere.Wie man produktiver wird

Aber auch abgesehen davon geht es mir während meines Schnupperkurses zur Arbeitswelt ganz schön gut: Kollegen, Umgebung, Chefs… alles stimmt. Gleichzeitig schaffe ich abends so viel wie nie: mehr Bloggerei, Datenanalysen für die Uni, verdammt ich treibe plötzlich Sport (!!!) – woran kann das liegen?

An einem nie gekannten Maß an Produktivität! Denn Produktivität schafft Produktivität.

So unsinnig das auch klingt, ist es eigentlich naheliegend. Wenn wir arbeiten, wollen wir vor Allem eines dabei sein: produktiv. Wenn wir das schaffen, verspüren wir ein unheimlich gutes Gefühl der Befriedigung, einen neuen Schwung von Motivation und Schaffensdrang. Wir fühlen uns kompetent und erfolgreich, immerhin merken wir, dass wir in der Lage sind, unsere Ziele zu erreichen und Dinge zu schaffen!

Erfolgreich geleistete Arbeit gibt uns das Gefühl, erfolgreich arbeiten zu können. Und das motiviert uns dazu, weitere Dinge in Angriff zu nehmen – wir werden produktiv.

Okay, das ist alles schön und gut, aber ich kann ja viel behaupten. Du willst nicht nur meine subjektive Theorie, sondern auch ein paar Beweise? Hab ich!

Produktivität im Spiel

Game Designerin Jane McGonigal schreibt, dass Produktivität einer der Gründe ist, weshalb Videospiele – insbesondere Online-Rollenspiele wie World of Warcraft – so unfassbar beliebt sind: Sie setzen uns kurzfristige Ziele, die wir bequem abgesteckt in konkreten Schritten erreichen können, und deren Ergebnisse uns unmittelbar präsent sind.

Unser Charakter trifft einen alten Helden, der sich aufgrund zu vieler Pfeile in seinen Knien zur Ruhe gesetzt hat. (Hände hoch, wer die Referenz erkennt!) Sein Haus ist überfüllt mit Trophäen und Schätzen – aber ein Platz ist leer. Das Schwert, mit dem er unzählige Feinde bezwang, ist ihm im letzten Kampf gegen den Verschlinger der Seelen, die Geißel der acht Königreiche, den Terror der Schatten, eine abscheuliche Kreatur namens Steve abhanden gekommen.

Da wir der Spielercharakter in dieser Erzählung sind, und Spielercharaktere immer alles schaffen, obwohl sie eigentlich besseres zu tun hätten, bringen wir ihm das rostige Ding natürlich zurück. Gleichzeitig befreien wir ein Dorf aus der Knechtschaft des Verschlingers, sie bekommen ihre Seelen wieder, Win-Win, alle happy. Zurück im Helden-Altersheim ist der Mann froh, seinen Stocher wieder im Einsatz zu sehen, und schickt uns los, um damit weitere Gräuel zu bezwingen.

Was ist passiert? Wir haben eine Aufgabe beendet, und weitere taten sich auf. Wir wurden besser, stärker, haben eine neue Waffe. Wir haben die Welt nachhaltig verändert, ein ganzes Dorf verdankt uns ihr Leben.

Wir haben etwas geleistet.

Videospiele geben uns ein mächtiges Gefühl der Produktivität. Es gibt immer etwas zu tun, und wenn wir spielen, dann tun wir auch immer etwas! Wir arbeiten viele Aufgaben nacheinander ab, sehen Erfolge, haben keinen Leerlauf.

Wir fühlen uns produktiv.

In Azeroth gibt es keine Arbeitslosigkeit!

frei nach Castronova, „Exodus to the Virtual World“

Was bringt mir das jetzt?

Interessant.

Aber wie kann man das auf die Arbeit oder das Studium ausdehnen? Ist Spielen nicht das Gegenteil von Produktivität?

Irgendwie ja, aber eigentlich auch nicht.

Und das ist genau einer der Gründe, aus denen McGonigal ihr fantastisches Buch „Reality is Broken“ (klare Leseempfehlung!) geschrieben hat.

Sie sieht als Grund für den vermehrten Videospielkonsum in allen Gesellschaftsschichten, dass die echte Welt unseren grundlegenden Bedürfnissen nach Geltung, Produktivität, Abwechslung und Herausforderungen nicht nachkommt.

Wir spielen also, weil wir diese Gefühle brauchen: gemeinsam ergeben sie das Gefühl, etwas zu Leisten. In Spielen gibt es das fast durchgehend: eine Quest führt zur nächsten, Belohnungen werden zu riesigen Haufen gestapelt, wir wollen immer noch etwas mehr erreichen, stärker und besser werden!

Es bleibt eine Spirale aus Produktivität und einem Gefühl der wachsenden Kompetenz, die uns zu größeren Leistungen anspornt.

Kommt dir das bekannt vor? 😉

Im Buch schlägt McGonigal deshalb konkrete Änderungen vor, mit denen wir die Welt so manipulieren können, dass sie uns wie ein Spiel belohnt. Aber das braucht alles Zeit.

Selbsthilfe

Während die Welt also langsam belohnender wird, können wir uns auch einfach selbst mehr belohnen, um mehr leisten zu können.

Wir brauchen Arbeitshilfen, die uns ein besseres Gefühl geben. Wie man zum Beispiel ToDo-Listen richtig schreibt, habe ich in einem anderen Post erklärt. 🙂

Man kann auch mit einem produktiven Hobby beginnen – wenn ich erfolgreich blogge, oder mich in Diskussionen beteilige, merke ich auch, dass es mir gut geht. Ich leiste etwas!

Sport ist auch eine gewaltige Quelle von Produktivität. Bewegung tut unserem Hirn gut, Sport bestätigt unser Selbstbild und schafft Selbstvertrauen – wichtiger Treibstoff für andere Leistungen. Das trifft tatsächlich auch auf eine Vielzahl anderer Aktivitäten zu: Unser Hirn profitiert davon. Wir sind sozusagen darauf programmiert, und selbst verbessern zu wollen! (Dieses Buch hier steht auch noch auf meiner To Do Liste und handelt genau von dieser Frage: Wo kommen positive Emotionen eigentlich evolutionär her, wenn für Steinzeitmenschen eher Dinge wie Wut und spitze Stücke wichtig waren, als Stolz und Dankbarkeit?)

Wir brauchen unmittelbare Schübe von Produktivität!

Verdiente Pausen

Natürlich kann und soll das auch nicht immer klappen.

Wir brauchen auch Pausen und Ruhe. Wir können nicht durchgehend Leistung erbringen.

Das Schöne ist: Wenn wir produktiver sind, sind sogar unsere Pausen besser!

Sie fühlen sich dann nämlich verdient an. Wir müssen nie mehr dieses tiefe Gefühl von Reue und Schande akzeptieren, wenn wir nur auf dem Sofa liegen und Eis essen. Wir wissen, dass wir uns die Pause hart erarbeitet haben, und dass wir auch bald wieder etwas Sinnvolles tun werden. 

Und bis dahin können wir uns ausruhen.

Das Ergebnis

Wenn wir uns erst einmal motivieren konnten, etwas zu leisten, sind wir auch bereit, mehr zu leisten. Wir wollen mehr. Immerhin wissen wir, dass wir mehr können!

Wir brauchen also Bestätigung und Fortschritt. In vielen Videospielen ist das super umgesetzt, weswegen wir sie so lieben.

Wir können uns aber auch selbst ein Umfeld schaffen, in dem wir uns produktiv fühlen – ein schaffendes Hobby, Sport, belohnendere Arbeit.

Danach werden sich sogar unsere Pausen besser und wertvoller anfühlen. Nie mehr Reue; immer verdiente Pausen genießen!

All das macht das Leben so viel einfacher, und trägt – glaube ich – auch zu mehr Lebensglück bei. Aber dazu später mehr.

Was glaubst du? Macht Produktivität dein Leben besser? Bemerkst du diesen Effekt? Inspirierst du dich selbst? Lass es uns wissen!

5 comments on “Wie man produktiver wird

  • Hey, richtig cooler Artikel! Man muss sich quasi eine Aufwärtsspirale schaffen, und immer neue Belohnungen finden?
    Finde solche Themen mega interessant, und eben auch hilfreich. 🙂

    • Das wird natürlich nicht immer funktionieren, aber im Prinzip ist der Schluss naheliegend: Was uns ein gutes Gefühl gibt, das wollen wir intuitiv häufiger tun. Wir sind nur ziemlich darauf konditioniert, dass hart herumgammeln das ist, was wir machen wollen 😉
      Man muss Mal den Arsch hoch bekommen, und sich etwas suchen, was man auch machen will. Ich glaube nicht, dass das gut funktioniert bei einer Tätigkeit, die man hasst. Man muss intrinsisches Interesse an ihr haben, aber dann wirkt es Wunder!

  • ps
    Habe so einen ähnlichen Effekt wie du ihn beschreibtst auch schon mal gehabt: Habe nämlich ein Buch über Lernmethoden gelesen und hab dadurch richtig Lust bekommen zu Lernen! Krass irgendwie… Ich wollte hat die Sachen sofort ausprobieren, aber vor allem, war es einfach die gesamte Art des Buches die mich so motiviert hat. 🙂

    • Ich hoffe ja, dass diese Posts hier das auch auslösen können. Vielleicht ein kleines bisschen 😀

      Mir geht es mit dem genannten Buch, „Reality is broken“ irgendwie total so – weil es zeigt, welche Dinge Leuten eigentlich wichtig sein können!

      Ich finde da drin bestimmt auch noch mehr Themen… ich hab noch ein bisschen was offen. Über Glück, Konsum und intrinsische Ziele. Klingt alles nach Hardcore-Softcore-Wischi-Waschi positiver Psychologie (ist es auch), aber wenn man sich mal cool aufbereitet reingefuchst hat, dann geht dasa echt ab!

      p.s.: auf dich als Stammleserin ist Verlass <3

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