Mein Twitter-Tagebuch: Tag 1 - ErstkontaktErstkontakt

Twitter also. Das kann spannend werden.

Spät abends, kurz vor dem Schlafen lege ich einen Twitter-Account an. Gut durchdacht ist das Ganze nicht.

Natürlich gibt es bereits einen @powerpowl.

Geht gut los.

Ich treibe dementsprechend als @truepowerpowl mein Unwesen. Die Leute sollen ja wissen, dass ich der echte bin. Der einzig Wahre. Der Lord und Gottimperator meines Blogs. Paul.

Die erste Hürde ist genommen.

Wer bin ich? Und wenn ja – wie fasse ich das zusammen?

Ich werde anschließend auf einigen schick farbverlaufenden, übersichtlichen Screens aufs Brutalste verhört. Hier merkt man, dass der aktuelle WebDesign-Standard, Bootstrap, von Twitter entwickelt wird.

Aber zurück zum Thema: Twitter foltert zunächst einige grundlegende Fakten zu meiner Person aus mir heraus. Danach soll ich interessante Themenbereiche aussuchen. Meine Persönlichkeit auf einige knappe Tags herunterbrechen.

Ich muss einen tiefen Blick in meine Seele werfen. Starre auf den flackernden Bildschirm auf dem Schreibtisch.

Seufze.

Was interessiert mich? Worüber will ich informiert werden? Wer bin ich? Was drückt nach außen hin aus, was ich sehen will? Womit ich in Verbindung gebracht werden will?

Zeit vergeht.

Ich entscheide mich für die Themen Unterhaltung, Tier– und Umweltschutz, Wissenschaft, Nachrichten und Comedy. Ich gebe Psychologie mit an, aber dafür interessiert sich wohl sonst niemand – rosige Aussichten für einen Psychologie-Blogger. Tolle Gesprächsgrundlage. Ich merke schon: Das hier wird der Hit.

Aufgrund meiner Wahl werden mir einige Persönlichkeiten und Gruppen vorgeschlagen, denen ich folgen könnte: Promis, Nachrichtendienste, Unternehmen, 13-jährige YouTuber die mit Pranks mehr Geld machen als ich mit Wissenschaft an der Uni.

Jan Böhmermann und das Neo Magazin Royale, die Tagesschau, extra3 und mehrere Umweltschutzbünde wirken vernünftig. Außerdem einige YouTuber, deren Namen ich Mal gehört habe, damit auch junge Menschen dabei sind.

Einiges davon werde ich noch bereuen.

Ich suche in der Hoffnung auf Diskussions-Anschluss außerdem nach Psychologie-Seiten, finde aber nur die Psychologie Heute (follow), Psychologie Kinder (ugh, und ja sie haben sich genau so benannt. Dass es sie jetzt nicht mehr gibt, ist meiner Meinung nach ein Zeichen.) und einige englischsprachige Seiten (halbherziges Follow).

Nachdem ich eine kurze Beschreibung, den Link zu meinem Blog und das einzige Profilbild aus den letzten drei Jahren auf dem ich nicht wie Thomas Anders aussehe, einstelle, bin ich bereit. Das Twitterverse steht mir offen! All die Gedanken, Nachrichten, Ideen, TWEETS! Ich beginne die unglaubliche Reise durch meine ganz persönliche Timeline!

Sie ist zum Sterben langweilig.

Nachrichtendienste und Umweltschutzgruppen spammen ganz schön. Über drei Ecken werden mir einige Medienmenschen oder Personen deren Lebensziel „lustig sein“ zu sein scheint, empfohlen, denen ich einfach folge. Ich fühle mich wie ein frisch Erblindeter in einem schallisolierten Raum mit eingeölten Oberflächen.

#meinErsterTweet

Hier komme ich nicht weiter.

Twitter verlangt, dass ich unter dem Hashtag #meinErsterTweet meinen ersten Tweet verfasse.
Der kreative Schaffensdruck ist schier unglaublich! Es geht um meinen ersten Auftritt nach außen! Meinen ersten Microblog! Mein Aushängeschild! Mein erstes Ich, in 140 Zeichen!

Meine Freundin verbietet mir den über lange Minuten hinweg gereiften Tweet

„Penis! #meinErsterTweet“

weil sie meint, dass auch ich gelegentlich über so was Ähnliches wie Niveau stolpere und die Leute nicht von Anfang an wissen sollen, dass ich ein absoluter Weirdo bin. Sie hat ja irgendwie recht.

Ich entscheide mich für einen Tweet, der aufgrund der späten Stunde ganz schön langweilig ist – vor Allem jetzt im Nachhinein, da ich den Twitter-Ton kenne:

Gebannt starre ich auf meinen Bildschirm.

Nichts geschieht. Dabei gibt es Leute, die sich die ersten Tweets von anderen Frischlingen ansehen, manche haben mehrere Likes!

Ich hätte doch „Penis“ nehmen sollen…

Die Bilanz des ersten Tages:

„Whaaaaaaaaaaaaaaaat..?“ 


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