Motivation ist wichtig. Ohne sie würden wir nur sabbernd herumliegen und die Decke anstarren, bis wir verhungern. Kein Verhalten hängt nicht irgendwie von ihr ab – aber wo kommt sie eigentlich her? Ich vergleiche intrinsische und extrinsische Motivation. 

Wie entsteht eigentlich Motivation?

Man kann unfassbar viel Zeit und Anstrengung in die Unterscheidung zwischen verschiedenen Motiven, Motivatoren und Motivationen investieren. Wie so oft in der Psychologie, gibt es fast ein Überangebot an Modellen… mehr, als wir uns hier sinnvoll ansehen können. Wir widmen uns stattdessen einer einzelnen, weit verbreiteten Unterscheidungsart:

Man spricht von intrinsischer und extrinsischer Motivation. Dabei wird betrachtet, wo der Ursprung unserer Motivation liegt, und wie sich das auf uns auswirkt.

Intrinsische Motivation

intrinsische Motivation

Intrinsische Motivation entsteht aus uns selbst heraus. Das klingt kitschig, ist aber eigentlich ziemlich cool: Es geht um Freude, Selbstvertrauen, den Anspruch, besser zu werden, und ein Gefühl von Kompetenz. Häufig werden bestimmte Aktivitäten intrinsisch motiviert – dann, wenn wir eine Tätigkeit um ihrer Selbst willen ausüben.

Ein passionierter Bergsteiger würde zum Beispiel angeben, einen anstrengenden und gefährlichen Berg besteigen zu wollen, „weil er da ist.“ (Dann würde er seinen Lederrucksack schultern, die Socken hochziehen, in eine Wurst beißen und einen Schluck Bier trinken und ein fröhliches Liedchen trällernd auf den Todesgipfel wandern.) Diese Motivation entspringt beim Bergsteiger selbst, weil ihm die Tätigkeit des Besteigens genügt. Er tut es, weil er sich selbst dadurch gut fühlt, weil er die Herausforderung mag, weil es ihm Spaß macht.

Intrinsisch motiviertes Verhalten dient dem Selbstzweck: Beispiele sind Zeichnen, Schreiben, Musik hören, nicht reproduktiver Sex (der beste Sex!), Essen obwohl wir satt sind und bei manchen Menschen sogar Sport. (Iiiiih. Sport!)

Extrinsische Motivation

extrinsische Motivation

Extrinsische Motivation hingegen entsteht nicht in uns, sondern um uns herum; sie hängt mit externen Einflüssen zusammen, die nur in ihrer Gewichtung durch unsere Persönlichkeit beeinflusst werden:

Wir brauchen kein Geld, weil wir Geld haben wollen, sondern weil es uns Kaufkraft und Einfluss gibt. Wir wollen keine Führungsrolle in einer Gruppe, weil es Spaß macht, eine Gruppe anzuführen, sondern weil die soziale Anerkennung uns wichtig ist.

Extrinsisch motiviertes Verhalten verfolgt gewisse Ziele; es umfasst Dinge wie Wohlstand, Anerkennung und Macht.

Ein weniger passionierter Bergsteiger würde zum Beispel weniger Wert auf den Aufstieg alleine legen, und ist mit anderen Dingen zu locken: Kleinigkeiten wie Anerkennung von Freunden, oder die Aussicht auf – sagen wir mal – 3 Millionen Euro sind es, die das Fass der Motivation zum Überlaufen bringen. (Allein aus diesen Gründen würde er die Strapazen auf sich nehmen, Trekking-Sandalen und Thermo-Funktions-Wäsche tragen, für zwei Drittel des Weges den Lift nehmen und das letzte Stück Straße laufen, um dann auf der bewirteten Hütte die Aussicht zu genießen.)

Extrinsische Motivation umfasst andererseits aber auch das Streben, negative Folgen von Handlungenzu zu vermeiden oder zu minimieren. Zum Beispiel entspringt unsere Motivation, nur mit einem gültigen Ticket Bahn zu fahren, nicht dem Gefühl, dass die Bahn das Geld braucht, (*schallendes Gelächter*) und es sich gut anfühlt, ihr etwas Gutes zu tun (intrinsisch), sondern der Angst vor Stress mit Kontros und auf dem Zahlen von 60€. (extrinsisch)

Was ist jetzt besser?

Eigentlich nichts davon. Und beides.

Was uns wirklich motivieren kann, liegt in unserer Persönlichkeit und unseren Interessen. Jeder hat beide Formen der Motivation schon erlebt, und oftmals sind sie kaum voneinander zu unterscheiden: ist Ehrgeiz eigentlich intrinsisch oder extrinsisch?

Häufig sind intrinsische Motivationen in den kleinen Dingen so unbedeutend, dass sie uns kaum als Motivationen auffallen – insbesondere im Vergleich zu den durch ihre unmittelbaren, kurzfristigen und starken Belohnungen präsenteren extrinsischen Motivationen.

Wir verbinden extrinsische Faktoren viel mehr mit einem Gefühl des Aufraffens und des Erreichens, dabei gibt es viele Studien, die nahelegen, dass intrinsische Faktoren stärker motivieren können – immerhin führen sie dazu, dass wir eine Tätigkeit einfach ausüben wollen, und macht sie nicht zum Mittel zum Zweck. Gleichzeitig sind diese Motivationen aber auch schwerer zu erzeugen.

Langfristigkeit ist eine weitere Sache: Wenn wir intrinsisch motiviert sind, brauchen wir keine externen Einflüsse, um uns aufzuraffen. Gleichzeitig bricht der Antrieb, etwas zu tun, vollkommen ein, sobald wir keine intrinsische „Lust“ mehr haben. Zum Beispiel, wenn wir etwas Neues testen wollen, es dann aber doch nicht mögen. Extrinsische, langfristige Ziele hingegen sind etwas, auf das wir lange hin arbeiten können – nur eben nicht immer gerne.

Dennoch würde ich sagen, dass intrinsische Motivation uns langfristiger aktiv werden lässt. Dinge, die wir gerne tun, werden wir auch immer wieder tun – mal mehr, mal weniger. Durch extrinsische Einflüsse erzeugte Motivation hingegen schwindet mit dem äußeren Einfluss, und kommt von alleine nicht wieder.

(Danke an Jemanden, der mich an diesen Aspekt erinnert hat!)


Wenn du was gelernt hast, freue ich mich über jedes Weiterleiten oder Teilen des Ganzen hier – mehr Leser sind eine gute extrinsische Motivation, um mein intrinsisches Schreibenwollen aufzuwerten 😉

Was denkst du: Welche Art von Motivation bewegt uns mehr? Und wozu gehört Ehrgeiz? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

4 comments on “Intrinsische und Extrinsische Motivation

  • Wie siehst du das mit der Langfristigkeit? Könnte mir vorstellen, dass intrinsische Motivation auch eher von Dauer ist und uns dazu bringt, länger durchzuhalten?

    • Sehr guter Punkt! (Ich habe mich auch direkt dazu veranlasst gefühlt, noch zwei Absätze unten anzufügen 😉 )

      Wenn intrinsische Motivation zu einer Tätigkeit nicht nach wenigen Malen abebbt („Ich lebe jetzt gesund!“ … „Uuuuuuuh, Ikea-Zimtschnecken und Schoko-Eis!“), kann sie seeehr langfristig motivieren. Immerhin treibt sie uns zu einem Hobby.
      Extrinsische Motivation ist dagegen weg, sobald der externe Reiz weg ist.
      Wenn dieser Reiz jetzt aber etwas ist, was wir IMMER begehren, wird es wieder schwerer, da eine klare Aussage zu treffen.
      Was denkst du?

  • Ich denke, dass wir an den extrinsischen Motivator langfristig habituieren und wir deswegen langfristig nach immer stärkeren Motivatoren verlangen, Beispiel Gehalt bzw. Gehaltserhöhung. Am stärksten wird das deutlich, wenn man durch den extrinsischen Motivator zu etwas getrieben wird, worauf man eigentlich dauerhaft keine Lust hast hat (langweiliger Ferienjob für drei Wochen und für schnelles Geld – okay, aber dauerhaft darin arbeiten möchte man auch nicht)
    wirklich lang ist man mit seinen Belohnungen nicht zufrieden, die Leute wollen immer mehr 😀 oder?

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