PlayerTypes sind Versuche, spielbezogene Persönlichkeit zu beschreiben. Kann das funktionieren? Und sind derart spezifische Modell überhaupt praktikabel?

Mal wieder kommen wir zurück zu Videospielen, einem Thema, das überraschend eng mit der Psychologie verknüpft ist: Motivation, Involvement, Flow, Gruppendynamik, Lernen und Meinungsbildung, Entspannung und Wahrnehmung spielen beispielsweise in beiden Disziplinen große Rollen. Wir gehen heute aber weiter:

Denn eine weniger oft betrachtete Überlappung ist die Persönlichkeit. Dabei liegt eigentlich auf der Hand, dass Persönlichkeit sich auf Spielvorlieben auswirkt. Ich für meinen Teil bin eine unfassbar gewissenhafte, gründliche, nahezu penible Person (was sich am strengen Regiment meines Blogging-Zeitplanes und dem Zustand meines Zimmers ablesen lässt). Was mich dementsprechend nur selten in Spielen reizt, ist es, Dinge zu vervollständigen, Zeit zu investieren um bereits besuchte Gebiete abzulaufen damit ich irgendeine fucking Feder sammeln kann (looking at you, Assassin’s Creed II), oder Challenge-Punktzahlen in die Höhe zu treiben. Ich bin kein Completionist, kein Achievement-Grinder und kein No-Lifer. Ich spiele aus anderen Gründen. Mein Mitbewohner dagegen hat ein normalerweise ordentlich(er)es Zimmer und alle Waffen bei Battlefield 3 vollstädnig durchgespielt; er vervollständigt sogar Lücken in meinen Spielen. Zu entscheiden, wer von uns sein Leben damit erfolgreicher lebt, bleibt dem geneigten Leser überlassen. (Tipp: Keiner von uns. Wir mussten uns in den Park schleifen, um Zeit zum Schreiben (bzw. Lesen) zu haben, ansonsten würden wir nämlich gerade zocken.)

Mit PlayerTypes wird versucht, zu beschreiben, warum eine Person spielt, und was sie spielt. Spieler werden in Kategorien aufgrund ihrer Vorlieben, ihrer Motivationen und ihres Verhaltens im Spiel eingeteilt – man erstellt ein Modell ihrer Persönlichkeit, allerdings nur im Kontext des Videospieles.

Aber braucht man das eigentlich? Wieso benutzt man nicht einfach die ganz normale Persönlichkeit des Menschen? In der Psychologie gibt es immerhin ein wunderbares, allgemeines Modell um Persönlichkeit zu beschreiben. Es wird seit Jahren konsistent von der Forschung bestätigt und fasst den Charakter eines Menschen in fünf Dimensionen zusammen. Weil es so allgemein und toll ist, und es fünf Faktoren sind, nennt sich das Modell die Big Five. Genügt es, um Vorhersagen über das Spielverhalten von Leuten zu treffen?

PlayerTypes - Entdecker, Geschichtenerzähler, Freund, Killer - wir haben viele Rollen

Was sagt meine Persönlichkeit über meinen Spielstil aus, und was sagt der Spielstil über meine Persönlichkeit? (ol: Guild Wars 2, or: Mass Effect 3, ul: Borderlands 2, ur: CoD Black Ops 3)

Ich denke: Nein.

PlayerTypes – ein überflüssiges, spezielles Modell?

Wie wir alle wissen sind allgemeine Dinge toll, aber wenn speziellere Dinge noch toller sind, dann ist das noch toller! Sonst würden wir nicht CSI, CSI New York, CSI Miami, Navy CIS und Navy CIS New Orleans, Law & Order, the Mentalist, Numbers, Bones, Castle oder verdammt noch Mal Alarm für Cobra 11 (es soll Leute geben, die das gucken!) brauchen, sondern wären mit dem PrimeTime-Hit Verbrechensaufklärung vollkommen zufrieden. Im Detail steckt eben auch die Liebe.

Bei Modellen ist es ähnlich: ein spezifischeres Modell deckt vielleicht nicht alle möglichen Anwendungsfälle ab, beschreibt einige wenige dafür aber umso besser! Durch PlayerTypes kann man nur schwer die Persönlichkeit eines Menschen im zwischenmenschlichen Kontakt abbilden, aus den Big Five aber auch nicht herauslesen, was er in Spielen sucht, wo er es sucht, und warum. Jedes Modell hat bestimmte Ziele – das macht sie nicht zwingend schlecht!

Natürlich gibt es – wie ich oben angedeutet habe – trotzdem Parallelen zwischen den Modellen. Es liegt zum Beispiel eben nahe, dass eine gewissenhafte Person sich im Spiel auch zu einem gewissenhafteren Verhalten hinziehen lässt. Eine weniger verträgliche Person sucht vielleicht Konflikte mit anderen Spielern. Aber das zentrale Wort ist vielleicht. Denn aus einzelnen Persönlichkeitsmerkmalen lässt sich wenig ablesen. Die Kombination macht es.

Die Aufgabe von PlayerTypes ist es also, diese Kombinationen anders aufzufächern. Eine Dimension, die für Videospiele vielleicht nicht von Belang ist, mit Elementen anderer Faktoren zu kombinieren, um eine neue Spalte zu öffnen.

Dazu braucht es viel wissenschaftliche Arbeit. Theorien für den Aufbau der Types, vorgeschlagene Faktorstrukturen, qualitative Studien um relevante Elemente zu ergründen, quantitative Studien, um sie zu belegen.

Modelle – Bartle und Yee

Zwei solche Modelle will ich (jeweils in einzelnen Einträgen) kurz vorstellen: die Vorreiter, Bartle’s PlayerTypes, und ein Modell, das viel wissenschaftliche Arbeit enthält, die Types nach Yee. Letztere spielten eine große Rolle in meiner Bachelorarbeit, die selbst zur Forschung an PlayerTypes beitragen sollte: ich wollte untersuchen, ob sie überhaupt im Videospielkontext anwendbar sind, ob die Modelle eine Bedeutung im wahren Anwendungsfall haben. Dabei bin ich auf gemischte Ergebnisse gestoßen. Und habe eine weitere Frage aufwerfen können:

Lassen sich PlayerTypes als konstante, persönlichkeitsabhängige Größe erfassen?

Denn um ehrlich zu sein: Wenn ich Call of Duty spiele, suche ich Konflikte. Wenn ich Guild Wars spiele, will ich die Welt erforschen. Wenn ich Mass Effect spiele, will ich in die Welt eintauchen. Wenn ich Borderlands spiele, bin ich mit meinen Freunden unterwegs. Andererseits spüre ich auch immer einen Drang, ein Spiel zu spielen, das diese Elemente alle kombiniert.

Habe ich PlayerTypes?


Was denkt ihr? Sind PlayerTypes etwas, was man situationsunabhängig hat, oder ändern sie sich mit dem Spiel? Braucht man überhaupt ein spielbezogenes Konstrukt, oder sollte die Persönlichkeit ausreichen, um alle Motivationen und Vorlieben zu beschreiben? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

2 comments on “PlayerTypes – Brauchen wir spezielle Modelle?

  • Ich denke schon, dass man sich in allen spielen irgendwie ähnlich gibt. man hat ja schon Vorlieben. Was man genau machen kann, hängt nur vom Spiel ab. Wenn ich in jedem Spiel das gleiche machen könnte, würde ich das auch machen!
    Und das kann man doch auch durch Persönlichkeit ausdrücken. Hast du oben ja selbst schon gemacht, wenn man gründlicher ist, dann gibt man sich in Spielen auch gründlicher! Die PlayerTypes machen da dann schon das gleiche eigentlich.
    Aber vielleicht überzeugen mich ja diese beiden Modelle, die du dann schreibst!

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