Bartle’s PlayerTypes sind ein Modell, dass im GameDesign häufig Anwendung findet – und dabei oftmals falsch verstanden wird. Dabei hat alles so einfach angefangen… und sich dann unkontrollierbar weiterentwickelt. Warum das Modell falsch verwendet wird, und wie man das vermeiden kann, erfahrt ihr weiter unten im Text.

Bartle’s PlayerTypes können sinnbildlich für ihre Epoche – die 80er – stehen: ihre Blütezeit ist lange vorbei und jeglicher Versuch, doch noch etwas aus ihrem Erbe zu machen, endet peinlich für alle Beteiligten.

Doch bei Bartle’s Types reicht die übliche Taktik im Umgang mit Ausgeburten der 80er (Ignorieren und Hoffen, dass es bald vorbei ist) nicht aus – sie werden von den Menschen aktiv falsch verwendet und missverstanden, und sind dabei weniger auffällig als andere Produkte dieser Zeit (Rollschuhe und Paillettenanzüge zum Beispiel). Aber dagegen lässt sich etwas tun: Aufklärung. Also rückt nun näher ans Feuer, und lauscht einer Geschichte aus der Vergangenheit.

MUDs

Screenshot aus dem MUD LostSouls, aufgenommen von Chaosprime

Damals war das ein grafischer Höhepunkt!!!! Screenshot aus LostSouls, aufgenommen von Chaosprime

Die Ursprünge liegen in einem Videospielkonzept, das von anderen Videospielen wie ein dementer Vietnam-Veteran behandelt wird – mit respektvollem Abstand. MUDs (Multi User Dungeons) waren ein früher, sehr sehr früher Vorgänger von Online-Rollenspielen. Sie kombinierten Elemente aus Pen and Paper Rollenspielen (toller Zeitvertreib für Leute, denen soziale Akzeptanz egal ist) und Textabenteuern.

Das Spiel sieht dabei wie etwas aus, was heutzutage nur noch Informatiker zu Gesicht bekommen, und kann online, mit mehreren Spielern gespielt werden. Man erlebt Abenteuer und Geschichten und ist dabei nur durch die Vorgaben der Entwickler eingeschränkt. Glorreiche Zeiten.

Bartle selbst war an der Entwicklung mehrerer MUDs beteiligt, und stellte sein PlayerType-Konzept in einer Forumsdiskussion auf, in der er die Vorlieben und Motivationen der Spieler erforschte. Er gruppierte und analysierte die Ergebnisse, und heraus kamen vier Grundtypen von MUD-Spielern – seine PlayerTypes.

Bartle’s PlayerTypes

Bartle beschreibt vier Typen von Spielern von MUDs:

  • Killer sind dominant und aggressiv. Sie bekämpfen und verarschen andere Spieler aktiv und nutzen dabei auch Cheats oderHacks.
  • Achiever leben für Herausforderungen und Leistung. Sie wollen Belohnungen sammeln, Erfolge erzielen, und das Spiel schlagen.
  • Explorer erforschen die komplette Spielwelt. Sie suchen nach versteckten Gebieten und Geheimnissen, wollen die Welt verstehen, und alle Spielmechaniken erforschen. Manche Explorer kennen sich besser aus als die Entwickler.
  • Socializer wollen sozialen Kontakt beim Spielen. Sie arbeiten in Gruppen und wollen kooperieren. Sie übernehmen auch wichtige Rollen in der Community, leiten Gilden oder Clans und regen zu Diskussionen an.

Dabei geht Bartle davon aus, dass jeder Spieler in jedem der Typen eine gewisse Ausprägung hat, einer von ihnen aber überwiegt.

Man kann die vier Typen auch in ein Koordinatenkreuz eintragen: Dabei unterscheidet die horizontale Achse zwischen dem Gegenstand der Aktionen, die vertikale Achse gibt an, wie agiert wird:

Bartle's PlayerTypes: Killer, Achiever, Socializer, Explorer

Ich habe das auf englisch gebastelt, die deutschen Übersetzungen klingen irgendwie so holprig 😛

Killer und Achiever wollen vor Allem Macht ausüben, während Socializer und Explorer nach Interaktion suchen. Dabei unterscheidet sich auch der Interaktionsgegenstand: Andere Spieler, oder die Spielwelt.

Mit diesen Types sollten MUDs verbessert werden, um auf die Vorlieben und Interessen bestimmter Spielertypen eingehen zu können und das Spiel ansprechender zu gestalten. In der Theorie befindet sich ein MUD genau dann in einem stabilen Zustand, wenn die Zahlen der Spielertypen im Verhältnis zueinander gleich bleiben. Allerdings gibt es Wechselwirkungen zwischen den Types, die sich durch Manipulation so ausgleichen lassen, dass ein stabiles System entsteht. So kann man das Spiel für eine bestimmte Demographie optimieren.

Bartle hat sich darüber tiefgehende Gedanken gemacht, die sich in seinem Originalpaper nachlesen lassen. Es trägt den Titel HEARTS, CLUBS, DIAMONDS, SPADES: PLAYERS WHO SUIT MUD und ist damit an die englischen Namen der Spielkartensymbole angelehnt:

  • Socializer sind Herzen (Hearts)
  • Killer sind Kreuz (Club, was übersetzte auch „Knüppel“ bedeutet und damit die Verbindung erklärt)
  • Achiever sind Karo (Diamond, weil sie immer nach schätzen suchen)
  • Explorer sind Pik (Spades, auch „Spaten“, weil sie die Gegend umgraben)

Fehleinsatz

Leider werden Bartle’s Types häufig falsch verwendet. Obwohl seine Theorie ausdrücklich nur für MUDs gilt, wird sie gerne erweitert und über diesen Bereich hinweg angewandt. Insbesondere in den ideologisch stark mit MUDs verwandten MMORPGs wie World of Warcraft wird die Spielergemeinschaft gerne auf diese Weise betrachtet.

Dass das nicht immer sinnvoll ist, liegt eigentlich auf der Hand: ein Modell, das für einen anderen Zweck erstellt wurde, ist nicht bedingungslos anwendbar. Es ist für manche Belange einfach zu spezialisiert. Eine Handyhülle aus den 80ern hat heute absolut unbrauchbare Maße, weil sie für einen anderen Gegenstand gebaut wurde. Der Fokus, aber auch die Zeiten waren anders.

Fazit

Bartle weiß das, viele Nutzer wissen es nicht. Deshalb ist der “Erfinder” der PlayerTypes bemüht, den Irrtum aufzuklären. Er hat Aussagen über MUDs getroffen, und damit den Grundstein für andere Bereiche gelegt. Deshalb werden seine Types auch häufig als Ausgangspunkt verwendet, wenn über andere Spiele gesprochen wird.

So zum Beispiel in den PlayerTypes nach Nick Yee, die im Rahmen meiner Bachelorarbeit besonders interessant waren.

Wer jetzt angefixt ist, und mehr über PlayerTypes vom großen Meister selbst lernen möchte, sollte sich diesen Talk ansehen, in dem er über seine eigentlichen Ziele spricht:


Ich habe mich beim Schreiben an dieser großartigen Vorlage orientiert. Das meiste kannte ich bereits aus der Uni oder eigenen Recherchen im Rahmen meiner Arbeiten, aber es war eine gute Auffrischung des Ganzen. Einen Blick wert!
Ich freue mich über alle Kommentare und jegliches Weiterteilen meines Blogs! 🙂
Wer mehr dazu wissen will, wie man mir weiterhelfen kann, wird hier fündig!
Und Fragen beantworte ich natürlich auch gerne 🙂

One comment on “Bartle’s PlayerTypes

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