Go Go KI-Rangers!

Der Kampf Mensch gegen Maschine hat sich mit Deep Blues Erfolg im Schach noch nicht erledigt – eine neue künstliche Intelligenz namens AlphaGo, entwickelt von einer Google-Tochterfirma, hat den Weltmeister im Go 4:1 geschlagen.

Was wären wir ohne unsere Mütter? Meine informiert mich zum Beispiel über neue Entwicklungen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, die aus irgendeinem Grund vollkommen an mir vorbeigegangen sind!

Außerdem hat sie mir früher den Hintern abgewischt.

Also danke, Mama! 😀

Zum Thema: Computern Spiele beizubringen, und sie gegen Weltmeister antreten zu lassen ist eine tolle Möglichkeit für Nerds, auch mal gut in einem Sport zu sein. Nachdem vor einigen Jahren schon das Schachspiel von der Rechenkraft eines Computers erschüttert wurde, und auch Fußballroboter sportliche Leistungen von Weltklasseformat vollbringen, ging es dieses Mal um ein Spiel, von dem ich noch nie gehört hatte:

Go

Im asiatischen Raum ist es sehr beliebt, wird in Korea, Japan und China ausgiebig gespielt. Anscheinend gab es im Japan des 17. Jahrhunderts sogar einen Go-Minister, der für die Bespaßung des Shoguns verantwortlich war. Ja, wirklich.

GO

Bitte, BITTE fragt mich nicht, was hier eigentlich los ist!

Ein kurzer Anriss dessen, was ich mir über das Spiel zusammenreimen konnte: Beim Go legen zwei Spieler schwarze und weiße Spielsteine auf ein Spielfeld, um dabei möglichst große Gebiete zu umranden, und idealerweise feindliche Steine dabei einzusperren. Es gibt wohl nur 4 Grundregeln, dafür aber mehr verschiedene Spielkombinationen als beim Schach So viele, dass die Diskussion über den bestmöglichen Spielstart noch immer nicht beendet ist! Schon mehrfach in der Geschichte des Go gab es Umschwünge, neue Taktiken, die sich durchsetzten, obwohl ihre Anwender früher in der Zwangsjacke abgeführt worden wären. Das ist alles ziemlich abgefahren, aber nicht das, worüber ich schreiben möchte.

Ich will auch keine Sportreportage über das Duell schreiben. Die kann man aber vielerorts gut nachlesen.

Spannender finde ich einige Gedankengänge, die sich an meine Überlegungen zu künstlicher Intelligenz anschließen!

Denn was AlphaGo auch gezeigt hat, ist Kreativität, eine der Eigenschaften, die man Computern normalerweise nicht zutraut; sogar eher eine Fähigkeit, die man uns Menschen als generelles Alleinstellungsmerkmal zuschreiben würde! Selbst unsere geliebten Hunde sind nicht besonders kreativ, außer Schwanzwedeln und Sabbern zählt. Affen werfen nur mit ihren Exkrementen und haben Sex, und, okay, Elefanten können Elefanten malen. Aber das ist ja auch nicht kreativ, das ist ja nur das, was sie sehen, oder?

Aber was ist Kreativität eigentlich genau?

Kreative Computer

Fun Fact: Das Bild habe ich mit einer App gemacht, die die Schrift random, aber schick, anordnet. Irgendwo war also irgendwer kreativ. Vielleicht die App. Oder die Entwickler? Schwere Frage.

Kreativität

Allein die Definition ist – wie so häufig in der Psychologie – umstritten. Selbst die Wikipedia-Seite zu Kreativität hat direkt einen „Das hier diskutieren wir noch aus!“-Header.

Man kann sich darauf einigen, dass Kreativität damit zusammenhängt, Dinge so zu machen, wie sie vorher noch nicht gemacht wurden, und zwar in nützlich. In manchen Definitionen tauchen Worte wie „Effektivität“, „Originalität“ und „Flexibilität“ auf. Und man ist sich ziemlich einig, dass Kreativität auch mit dem Problemlösen zusammenhängt.

Was tun Computeralgorithmen? Sie versuchen, eine Problemlösung zu optimieren. Man kann zum Beispiel Punkte für Schritte in die richtige Richtung, und Negativpunkte für Schritte in die falsche Richtung verteilen, und dem Computer sagen, dass er die Punktzahl maximieren soll. (Das nennt man einen MiniMax-Algorithmus.)

Warum haben wir dann das Gefühl, dass Computer nicht kreativ sein können? Denn, genau genommen versuchen sie, Probleme zu lösen. Und gelegentlich stoßen sie dabei auch auf neue Strategien.

Beim Go zum Beispiel hat die künstliche Intelligenz AlphaGo neue Eröffnungsstrategien verwendet, die Weltklassespieler verblüfften. Und dann damit gewonnen. Es gibt auch Geschichten, dass das Äquivalent beim Dame-Spiel den Profis komplett neue Spielzüge beigebracht haben soll, an die früher nie jemand gedacht hatte.

Ist das jetzt Kreativität? Beim Menschen würde man sagen: Ja.

Aber doch ist man geneigt, sie dem Computer nicht zuzugestehen. Eben weil ein Computer nur berechnet. Weil wir das Gefühl haben, dass Kreativität nicht durch stupides Ausführen von Berechnungsschritten und Optimieren von Zahlenreihen entstehen sollte, sondern durch Grübeln und Geistesblitze. Denn egal wie man es dreht und wendet: ein Computer kann nur das Denken, was sein Entwickler ihn denken lässt.

Jetzt kommt der Knackpunkt: Auch das kann Kreativität sein. Sehr oft stecken Lösungen irgendwo in dem, was wir schon kennen. Oft macht es Klick und jemand bemerkt etwas, was die ganze Zeit da war, aber niemandem aufgefallen ist. Alles, was wir denken, fühlen und probieren wächst aus dem Wissen, das wir schon haben. Alle Kreativität, die Menschen haben, entsteht aus dem, was sie mitbringen, was ihnen vom Leben eingetrichtert wurde.

Und so kann es auch bei Maschinen sein. Sie improvisieren neue Lösungen aufgrund des Wissens, das sie schon haben. Und das können Wege sein, an die der Entwickler nie gedacht hat. Genau aus diesem Grund lässt man Simulationen auf Maschinen durchlaufen, lässt sie 100.000 Szenarien durchspielen und sieht sich die Ergebnisse an – weil sie schneller mit ihrem Wissen arbeiten können, als wir.

Solange man nicht an göttliche Eingebung glaubt, ist Kreativität auch nur Wissenskonvertierung. (Genau genommen ist sie das auch noch, wenn man an göttliche Eingebung glaubt. Dann ist ein überirdisch inspirierter Geistesblitz nämlich auch nur ein Softwareupdate vom Entwickler, und wieder gilt: Kreativität aus Wissen!) Und das können Rechner besser als Fleischsäcke.

Macht sie das kreativer als Menschen? Irgendwie auch nicht. Denn das Interpretieren dieser errechneten Geistesblitze bleibt aktuell noch uns überlassen. Aber auch das kann sich ändern: Maschinen sind schon in der Lage, aus Daten komplexe Zusammenhänge zu generieren, und Bemerkenswertes auszulesen. Irgendwann werden sie auch Kreativität verstehen.

Computer können sogar Musik komponieren, die in Tests nicht von von Menschenhand geschaffenen Stücken zu unterscheiden war! Erfahrene Kritiker sprechen dem ersten Stück, „Hello World!“ allerdings eine „Seelenlosigkeit“ zu. Ich weiß allerdings nicht, ob ihnen vorher oder nachher gesagt wurde, dass es von einem Computer stammt…

In so vielen Bereichen zeigt sich: Wir tun uns schwer damit, Ergebnisse von Berechnungen als wahre Kreativität anzuerkennen, obwohl Geistes- und Computerwissenschaften nahelegen, dass die dahinterliegenden Prozesse stark miteinander verwandt sind. Vielleicht haben unsere Gehirne Angst um ihre Alleinstellungsmerkmale, vielleicht sind Computer aber in ihrer Rechenleistung noch zu weit von unserer Vorstellung einer ausreichenden Kreativität entfernt.


 

Was denkt ihr? Wann kann man von Kreativität sprechen, und sollte man sie Computern zusprechen? Sind Gehirne nur sehr fortschrittliche Computer, oder gibt es Komponenten, die niemals berechnet werden können?

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