Wie versprochen müssen wir noch darüber sprechen, warum eigentlich nicht jedes Spiel ein Serious Game ist, und wieso wir nicht mittlerweile nie wieder anstrengend lernen müssen, sondern nur noch Fallout spielen, bis wir sämtliche im Leben wichtigen Skills in uns aufgesaugt haben. (Ich hab’s versucht – es klappt leider nicht.)
Ein Problem habe ich schon behandelt, eine große Hürde, die Serious Games meistern müssen: den Umstand, dass Menschen nicht lernen wollen, und man sie zu ihrem Glück zwingen muss. Daran ist ein bisschen schuld, wie unsere Motivation funktioniert, und auch ein bisschen, dass sich bei uns eingeschlichen hat, dass Lernen anstrengend sein muss.
Serious Games haben aber noch ein Problem, und das ist dummerweise sogar ein Teufelskreis.
Wer schon Mal ein Serious Game gespielt hat, hat in den meisten Fällen schlechte Erfahrungen gemacht. Offene Karten: die Spiele sind in der Regel kacke. Niemand kauft kack Spiele. Deshalb ist dort auch kein Geld zu machen. Darum arbeiten natürlich keine ernst zu nehmenden Entwickler an ihnen. Und weil dann nur unerfahrene Verrückte, die nicht Mal zu Ubisoft durften, übrig bleiben, sind viele Serious Games einfach kacke.

Schlechte Spiele bringen den Studios kein Geld, die dann nur schlechte Spiele entwickeln können
Mein Versuch, einen Teufel in das Bild hineinzuzeichnen, scheiterte kläglich.

Das ist relativ unglücklich, wenn man bedenkt, dass sie als schlechte Spiele in vielen Fällen vielleicht noch immer besser sind, als einfach nur Lernen.
Es gibt aber einen Lichtblick: der Spielemarkt verwandelt sich. Wer sich ein bisschen aus kennt, wird wissen, dass der AAA-Markt zwar im Wesentlichen aus immer wieder aufgebrühten Versionen von CoD, Assassin’s Creed und Bethesda-Rollenspielen besteht, sich die engen, klebrigen Lücken dazwischen aber mit immer mehr Indie-Entwicklern füllen. Die haben den Mut, Dinge anzufassen, die andere nur am Straßenrand liegen lassen und zum Spaß mit Stöcken pieken. Dabei entstehen ab und an innovative Spiele, die manchmal sogar als Serious Game durchgehen – in This War of Mine erleben die Spieler, wie sich Battlefield für die Zivilisten anfühlt. Ich habe selten ein Spiel gesehen, das so bedrückend, so unangenehm zu spielen ist, von Anfang bis Ende nur langsamen, kalten, sozialen Stress austeilt, und einen fürs Spielen fast schon bestraft. Und dennoch ist es einfach gut. Es ist gut gemacht, es ist herausfordernd, und es erzählt eine Geschichte, die sonst sonst niemand ansehen würde. (Wer Interesse hat: Es gibt mindestens 100.000 Gameplays auf YouTube, und außerdem ist ja bald wieder Steam Sale 😉 )

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