Auch hier gab es Mal Bilder… Aber ich bin ohnehin nicht zufrieden mit dem Thema. Deshalb arbeite ich wann anders daran weiter 😉


 

Okay, wir haben geklärt, was virtuelle Menschen ungefähr sein könnten. Kommen wir dazu, wieso sie das sind, beziehungsweise was wir davon haben, dass sie es sind.

Es gibt verschiedene Ansätze, mit virtuellen Menschen umzugehen. Einerseits gibt es Dinge wie Denise, die im letzten Post vor kam. Wenn ich den Ansatz richtig verstehe, soll sie unterstützen, und den Umgang mit einem PC revolutionieren. Sie kann Texte vorlesen, Mails schreiben, das Internet durchsuchen… sie ist wie SIRI mit einem Gesicht. Das verschafft einem ein wenig mehr Vertrautheit – es fühlt sich vielleicht sogar an, als hätte man eine echte Sekretärin. Für die meisten Leute ist Denise vermutlich eher ein Spielzeug, für Menschen, die nicht lesen können vermutlich eine Bereicherung. Gesellige Menschen können sich mit ihr ein wenig unterhalten, wenn sonst niemand in der Nähe ist; virtuelle Menschen können wie die Google-Spracherkennung auch Internetsuchen vornehmen, und beispielsweise mit der Wikipedia Datenbank gefüttert werden – unendliche Stunden des Gesprächsstoffs, wenn auch ein wenig trocken.

Dann gibt es Max. Max ist der virtuelle Mensch, von dem ich am meisten (wenn auch nicht viel) weiß, weil ich einen der (echten) Menschen kennengelernt habe, der mit für ihn verantwortlich ist: Ipke Wachsmuth, einen (ehemaligen) Prof an der Uni Bielefeld, der in seinem Labor die Forschung an virtuellen Menschen vorantrieb.
Max war ein Projekt, das aus einer anderen Richtung kommt – der Cognitive Science. Es ging in den meisten Entwicklungsschritten nicht nur darum, einen virtuellen Menschen zu haben, der wie ein echter wirkt, sondern einen, der wie einer funktioniert. Das bedeutet, dass zum Beispiel Max‘ emotionales Befinden durch ein Modell dargestellt wird, mit dem auch echte, menschliche Emotionen behandelt werden. Man programmiert nicht „Max du bist jetzt böse, weil das gesagt wurde!“, sondern „Max, diese Aussage verändert deinen emotionalen Zustand relativ stark ins negative und steigert dabei seine Intensität!“
Der Unterschied ist, dass somit zum Beispiel untersucht werden kann, wie sehr das Modell, das Wissenschaftler davon haben, wie menschliche Emotionen funktionieren, auch menschenähnliche Ergebnisse liefert.
Vereinfacht ausgedrückt: Wissenschaftler sagt: „Emotionen funktionieren so! Deswegen verhalten wir uns so, wie wir es tun!“ Man kann Menschen nicht in den Kopf gucken, und es überprüfen, aber die Idee klingt gut. Erschaffer von virtuellen Menschen kommen hinzu, programmieren die Idee des Wissenschaftlers in ihren virtuellen Nachwuchs, und sehen sich das Ergebnis an. Wenn es menschenähnlich ist, scheint das Modell nicht ganz falsch zu liegen, wenn es gravierende Abweichungen gibt, können Probleme erkannt und behoben werden.
Für viele ist das nicht der klassische Weg, aber im Endeffekt kann Wissenschaft so funktionieren. Vereinfacht ausgedrückt, natürlich.

Max hat noch weitere Funktionen. Er ist auch eine Art Proof of Concept, und zeigt, was man alles machen kann. Er kombiniert Wissen und Anstrengung aus über einem Jahrzehnt Arbeit, in dem viele Menschen an ihrem rumgedoktort haben (im wahrsten Sinne des Wortes, denn viele dieser Leute haben wegen ihrer Arbeit an Max nun ihren Doktor).
Max kann auch im Rahmen anderer Experimente eingesetzt werden, die nicht direkt mit ihm zu tun haben, denn er kann in einem virtuellen Raum agieren und dabei einem echten Menschen recht ähnlich sein. Für Experimente, die in der Virtual Reality durchgeführt werden, um bestimmte Forschungsfragen zu beantworten, an denen man in der Realität nicht arbeiten kann (Sagen wir zum Beispiel für Dinge wie: Scheuen sich Männer mehr, von einer Klippe in den Tod zu springen, wenn Männer oder wenn Frauen zusehen? Ich will die Ethik-Kommission sehen, die dieses Experiment außerhalb einer Virtual Reality durchgehen lässt.), kann Max als Agent eingesetzt werden, der in der Welt auftritt und dennoch halbwegs echt wirkt.
Mittlerweile ist Max aber in Rente. Nicht in Florida, sondern in einem Computertechnik-Museum in Paderborn, in dem er als Besucherguide fungiert und Fragen beantwortet. („Wo ist das nächste Klo?“ „Wann ist diese dumme Exkursion endlich vorbei?“ „Max, was passiert, wenn ich den Feueralarm auslöse?“ „Was ist der Sinn des Lebens?“)

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