Heute ein Thema, das seit Langem offen auf meiner Liste steht: Selbsterfüllende Prophezeiungen! (Wie dem Titel unschwer zu entnehmen ist.)

Selbsterfüllende Prophezeiungen haben nichts mit unausweichlichem Schicksal oder der Willkür des Universums zu tun, einer unglücklichen Aneinanderreihung von Zufällen oder irgendeiner überirdischen Entität (wie auch immer diese geartet sein mag). Selbsterfüllende Prophezeiungen bezeichnen in der Psychologie verschiedene kognitive oder Verhaltensprozesse, die dazu führen, dass der Endzustand einer Situation so ist, wie wir es erwartet haben.

eine Prophezeiung

Ich hätte wohl mehr Pixel nehmen sollen. So ist es irgendwie… so verschwommen und klein.

Bisher klingt das nach: „Joar. Verhalten halt. Ich will nen Kaffee, ich mache mir nen Kaffee, ich hab nen Kaffee.“ Hier geht es allerdings um etwas Anderes: Wer zum Beispiel auf die Geburtstagsparty eines Kindheitsfreundes eingeladen und sich eigentlich schon sicher ist, dort keinen Spaß zu haben („All seine neuen Freunde sind Arschlöcher!“ „Das wird bestimmt nur so ein langweiliges rumsitzen unter besten Freunden, die Insider austauschen…“), wird dort vermutlich auch keinen Spaß haben.
Auch diese Erkenntnis klingt nicht sehr beeindruckend. „Es hat ja auch einen Grund, dass ich eine langweilige Party erwarte!“ Im Endeffekt sieht die Sache von psychologischer Seite aber so aus: Wenn man mit der Erwartung, keinen Spaß zu haben, in den Abend geht, wird sich entsprechend verhalten. Nach außen hin wird diese negative Erwartungshaltung also durch ein All-Star Team an Partykillern repräsentiert. Including but not limited to:

  • mürrisches „am Rand stehen“
  • häufiges Entfernen von Gesprächen, sobald Fremde dazukommen, die dem Gesprächspartner allerdings bekannt sind
  • zielloses Herumstreunern, Gänge auf die Toilette, nach draußen, zur Bar
  • verstärkte Auswirkungen von Schwerkraft an den Mundwinkeln und Schultern
  • passives Verhalten im Allgemeinen

Diese Liste ist natürlich das Worst Case Scenario, das bei Weitem nicht auf jeden zutrifft, spiegelt die Idee dessen, was ich sagen möchte, aber gut wider: Eine Erwartung führt zu einem Verhalten, und dieses führt zu einer Situation, die oft genug die Erwartungen bekräftigt.
Ein weiteres kleines Beispiel, das sogar wissenschaftlich bewiesen ist: Alte Menschen, die Angst haben zu stürzen, stürzen tatsächlich öfter. (Ab hier meine Theorie zur Erklärung, also mit Vorsicht genießen!) Die Erwartungshaltung provoziert ein Verhalten, das vielleicht besonders vorsichtig, zugleich aber auch ängstlich und emotional geladen ist. Diese Unsicherheit schwächt die Fähigkeit, kleine Missgeschicke zu kompensieren, weswegen ein kleines Schwanken schneller zu einem Sturz führt.

Wie können wir gegen diese Prophezeiungen vorgehen? Schwere Frage, aber gute Frage. Meine Einschätzung: An Erwartungen angepasstes, adaptives Verhalten lässt sich nicht ausschalten, und ist etwas, was uns in vielen Situationen von Nutzen sein kann.
Was wir aber tun können, ist, uns dieses Verhalten besser zu Nutzen zu machen: indem wir unsere Einschätzungen von Situationen gezielt hinterfragen, und versuchen, das Beste aus Dingen zu machen.

Spannende Erkenntnis: Was negativ funktioniert, wird wahrscheinlich auch im Guten Sinn ergeben! Können wir mit einer guten Prise Optimismus unser Leben vielleicht wirklich auf eine bessere Spur bringen? Wenn wir zur Party gehen, und einen amüsanten Abend mit neuen Leuten und mal einem anderen Umfeld erwarten, können wir den Arschlöchern und ihren Insidern vielleicht etwas abgewinnen.

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