Wir fangen langsam an – ein wenig abseits von der Psychologie. Expertise ist eigentlich leicht zu beschreiben: so gut in etwas sein, dass man für den Normalverbraucher als unerreichbar gut gilt. Ein Gehirnchirurg gilt für uns als Experte, weil wir von seinem Gebiet so wenig verstehen, dass er für uns komplett außer Reichweite liegt; Ich bin bei weitem kein Experte, was Psychologie angeht, nur weil ich ein wenig mehr Input habe, als die meisten von euch – einige meiner Professoren oder ausgebildete Therapeuten könnten diesen „Titel“ jedoch sinnvoll tragen.

Hello, my name is Expert!

Ich denke, dass es in ungefähr allem möglich ist, ein Experte zu sein. Experte für echt schnelle Autos. Experte für SitComs aus den 90ern. Experte für die vielfältigen Geschmacksrichtungen von Laminat-Böden. Experte für Hardcore-Bondage Pornographie. Experte für „Was muss ich frühstücken um auf der Arbeit möglichst viel bezahlten Schiss zu haben?“ (Ich tippe auf eine Kombination aus Kaffee, Bananen und ein paar Haferflocken.)
Damit uns jemand als Experte erscheint, ist es gar nicht zwingend notwendig, dass er wirklich viel Ahnung von seinem Gebiet hat – oftmals reicht es uns schon aus, dass die andere Person wesentlich mehr Ahnung hat als wir… die klassische „Der Einäugige ist der König der Blinden“-Situation.
Insgesamt ist der Begriff des Expertenwissenschaftlich kaum zu erfassen. Das liegt unter anderem daran, dass so viele Bereiche in Frage kommen, und es nicht leicht ist, zu erheben, wann man die entsprechenden Fähigkeiten hat, die einen Experten ausmachen. Dennoch gab es einige Ansätze, die versuchen, vom Expertenbegriff zu verallgemeinern und Gemeinsamkeiten zu messen. Möglich ist hier beispielsweise eine Definition über das Verhältnis von Wissen gegenüber den Normalsterblichen. Am Besten funktioniert allerdings eine Einteilung, die sich an der bisher mit üben/lernen/verbessern verbrachten Zeit orientiert. Kurz gesagt gilt die10-Jahres-Regel: spätere Experten beschäftigen sich im Schnitt ungefähr 10 Jahre mit ihrem Bereich. Schachmeister zum Beispiel verbringen in dieser Zeit knappe 5000 Stunden mit intensivem Selbststudium – das sind 208 volle Tage. Hinzu kommen 8000 Stunden Spielerfahrung, was weiteren 333 ganzen Tagen entspricht. Weil man an Schachspielern Problemlösungsansätze und Expertise super beschreiben kann, kommen wir vermutlich öfter auf dieses Beispiel zurück… für heute reicht es allerdings. Am Mittwoch mache ich weiter mit den Vor- und Nachteilen der Expertise.

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