Über die Vor- und Nachteile des Expertewerdens habe ich bereits gesprochen. Auf der einen Seite haben wir Ruhm und Ehre, herrausragendes Können, Fernsehauftritte und die Möglichkeit, mal so richtig heftig anzugeben – an Nachteilen gibt es jedoch einen Verlust von Zeit, Ruhe und einigen Freunden, denen unser Expertentum einfach zum Hals raushängen würde.
Die Frage, die sich nun stellt ist: Wie entscheidet sich, wie sehr wir diese Vor- und Nachteile gewichten, und wie wir uns letzten Endes entscheiden? Und
das führt uns endlich wieder zur richtigen Psychologie (und nicht zu diesen Wischi-Waschi-Erörterungssachen wie letzte Woche).
Genauer: Zu Motivationsprozessen. Motivation ist ein unfassbar viel untersuchtes Konstrukt in der Psychologie – und vermutlich eines der Themen, die am meisten von der Öffentlichkeit nachgefragt werden. Motivation ist in vielerlei Hinsicht interessant.

  • „Wie bekomme ich meine Mitarbeiter dazu, mehr zu arbeiten und dafür weniger Geld zu nehmen?“
  • „Wie bekomme ich mein Kleinkind dazu, die Katze nicht mit Essen zu frisieren?“
  • „Wie bekomme ich meine Katze dazu, nicht besagtes Essen im gesamten Haus zu verteilen?“ (Die Antwort lautet „Gar nicht“ denn Katzen sind menschenhassende Sadisten.)
  • „Wie bekomme ich mich selbst dazu, für die Uni zu arbeiten, anstatt meine wertvolle Zeit mit diesem Blog zu verschwenden?“

Das sind alles sehr spannende Fragen, die mit motivationalen Konzepten erklärt werden können. Wichtig sind hier vor Allem intrinsische und extrinsische Motivation, also die Unterscheidung nach der Quelle unseres Motives ein Experte sein zu wollen –  nachlesen lohnt sich 😉

Wenn wir jetzt die wichtigsten Motive des Expertewerdens betrachten, kann man die meisten unter ihnen recht klar als einordnen, es gibt sowohl intrinsische als auch extrinsische Gründe, warum man so viel Arbeit in etwas stecken könnte:

 

Motiv Ursprung
Hohen Anspruch an eigene Fähigkeiten, Streben nach Perfektion intrinsisch
Interesse am Thema, Spaß am Ausführen und Ausleben intrinsisch
Geld verdienen (Weltmeister werden und ordentlichen Gewinn abstauben; beruflich zur Weiterbildung gezwungen werden; exotischer Beruf, der Expertise einfach mit sich bringt) extrinsisch
Anerkennung, Ruhm und Ehre extrinsisch
Ehrgeiz Irgendwo dazwischen

Jeder wird durch andere Dinge wirklich bewegt, Arbeit zu investieren, und das ist okay so. Dennoch dürfte vielen auffallen, dass man wirklich eine ausgesprochen ehrgeizige Person sein muss, um sich 10 Jahre lang dem Unterscheiden aller Ameisen eines Baus mit dem bloßen Auge zu widmen. Dass es kaum jemand ohne Interesse an der Tätigkeit an sich und an die eigene Leistung so lange aushalten könnte.

Aus diesem Grund geht man häufig davon aus, dass intrinsisch motiviertes Verhalten stärker ist, auch wenn intrinsische Motivation weniger leicht aufzubringen ist. Das liegt daran, dass sie tatsächliche Arbeit von uns erfordert, und nicht einfach und schnell von außen unser Selbstbild stärkt. Intrinsische Motivation ist nachhaltiger, dafür aber weniger akut.

Es gibt also zwei Fälle, in denen wir uns 10 Jahre lang an ein Schachbrett setzen: Wenn Mami uns jeden Tag 20€ und ein Lob gibt, oder wenn wir wirklich Schachmeister werden wollen. Beide Wege führen zum Ziel, die Frage bleibt, welcher der angenehmere ist. Und das muss jeder selbst entscheiden.

 

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