Gentleman

Das Unterbewusstsein

Ein – fürs Erste – letztes Mal schreibe ich noch über Körpersprache – und wieder geht es um Probleme. Dieses Mal weniger um Dinge, die man falsch machen kann, sondern eher darum, wie und warum das auffällt.
Menschen sind ziemlich gut darin, Körpersprache zu deuten – insbesondere dann, wenn wir nicht darauf achten. Forschungen konnten zeigen, dass wir tatsächlich wesentlich schlechter darin sind, Lügen zu erkennen, wenn wir bewusst auf körperliche Signale achten, als wenn wir einfach unserem Instinkt vertrauen. Die Körpersprache unseres Gegenübers wird anscheinend größtenteils unbewusst verarbeitet. Das verwundert eigentlich auch nicht weiter: Körpersprache ist so in unseren Verhaltenskomplex über gegangen, dass wir über die Jahrtausende hinweg kleine Veränderungen einfach direkt deuten, anstatt anzuhalten und uns zu fragen: „Okaaay… dieser Bär… wie verhält er sich? Ich glaube, er fletscht die Zähne… ist das gut? Ich grinse so ähnlich. Vielleicht will er mir aARGH!“ Das gilt natürlich nicht nur in direkter Konfrontation, sondern auch bei Artgenossen: Körpersprache ist die urtümlichste, nicht abschaltbare Art von Kommunikation, und trägt viele Informationen mit sich.
Wenn wir versuchen, bewusst darauf zu achten, könnten wir Dinge, die wir aufgeschnappt haben, falsch anwenden, und zu einem gänzlich falschen Eindruck kommen. Oder andere Dinge überinterpretieren. In vielerlei Hinsicht ist unser Unterbewusstsein wesentlich intelligenter und besser ausgebildet als wir – ich kann mir ziemlich gut vorstellen, dass es ab und zu in einem britischen Abendanzug mit Fliege auf seiner Yacht steht, eine Pfeife raucht und über uns als ungebildeten Pöbel lacht, der nicht Mal den Unterschied zwischen einer Lüge und Nervosität versteht.

Etwas anderes, was unser Unterbewusstsein toll kann – und einer der Mechanismen, mit denen es oft arbeitet – ist das Prinzip der Inkongruenz. Nichts ist aufälliger, als Körpersprache, die nicht zum Auftreten, zum Charakter oder zum Gesagten passt – nichts. Das können falsch eingesetzte Gesten sein (mit der Faust auf den Tisch schlagen, wenn man von Förderung und Unterstützung spricht), oder zur hierarchischen Position des Gegenübers unpassende Verhaltensweisen (Einnehmen einer Chef-Pose – Arme hinterm Kopf verschränken und wie der König der Welt zurücklehnen – eines Gleichberechtigten uns gegenüber). Oder auch einfach nur Auftreten, das in einer anderen Hinsicht nicht passt – und damit unnatürlich wirkt. Das abgelieferte Gesamtbild wirkt nicht stimmig und damit irgendwie falsch, und das ist etwas, was unser Unterbewusstsein in der Regel gar nicht mag – vielleicht weil es sich dann verarscht vorkommt, was auch oftmals stimmt. Diese Inkongruenz ist auch etwas, was Lügner oft entlarvt: Es ist schon schwer genug, Emotionen authentisch zu spielen. Diese dann noch auf eine Lügengeschichte abzustimmen und spontan zu verändern ist eine Herkules-Aufgabe.

So viele Tipps auch sagen mögen, dass es wichtig ist, sich dominant und selbstsicher zu geben – das ist nicht immer unbedingt das Wahre. Übertriebene und unpassende Dominanz kann nicht nur zu einem Abwehrverhalten unserer Gesprächspartner führen, sondern auch unecht wirken.
Ich bin kein Profi, aber mit dem ganzen Wissen, das ich hier gesammelt und weitergegeben habe, kommt es mir vor, als wäre der beste Körperausdruck so selbstbewusst wie möglich, ohne sich unnatürlich anzufühlen. Und um es mal abgedroschen zu sagen: Bleibt euch treu, solange ihr euch damit gut fühlt. Die Sicherheit, mit dem Selbstbild übereinzustimmen gibt uns viel mehr Selbstvertrauen, und dieses wiederum zeigt sich positiv nach außen.

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