Um das Thema, das in Sachen Körpersprache am meisten angesprochen wird, komme ich wohl nicht herum: Der berühmte Erste Eindruck, jener sagenumwobene Moment, in dem sich CEOs von Lohnsklaven und künftige Päärchen von heimlich masturbierenden Unterscheiden, der Moment, in dem Freundschaften entstehen oder Feindschaften gebildet werden.

Das passiert in einem zeitraum, der irgendwo zwischen 150 Millisekunden und 90 Sekunden liegen kann (was, wie ich finde, eigentlich ein ziemlich großer Zeitraum ist). Unser Gehirn arbeitet dabei auf Hochtouren, hunderte Milliarden von Nervenzellen sind aktiv, bewerten Offensichtliches und verarbeiten Signale, die wir nur unterbewusst wahrnehmen, schaffen Assoziationen und fügen Informationen zu einer Repräsentation unseres Gegenübers zusammen, die sehr ausschlaggebend dafür ist, wie wir sie später wahrnehmen. Diese Daten werden irgendwo in unserem Gehirn hinterlegt, und immer zu Rate gezogen, wenn wir wieder auf diese (oder eine ähnliche) Person treffen. Neue Informationen und Aspekte werden in der Regel dann anders weiterverarbeitet: nicht auf ein unbeschriebenes Blatt aufgetragen, sondern mit dem bisherigen Wissen verglichen und dadurch anders bewertet.
Wenn wir eine Person total besoffen kennen lernen, und sie beim nächsten Mal mit einem Bier in der Hand treffen, schließen wir, dass sie sich wieder zusäuft. War die Person im betrunkenen Zustand gelinde gesagt ein Arschloch, sehen wir dem Abend ein wenig missmutig entgegen: die Person wird wieder dicht sein und rumpöbeln.

ein schöner Bierkrug von johnny automatic

Bier – Freund aller Nationen!

Hätten wir noch keine Einschätzung der Person, würden wir nur einen Menschen mit einem Bierchen kennen lernen, der nüchtern ja vielleicht sogar echt nett ist: unsere interne Repräsentation würde auf einen lockeren, entspannten Menschen schließen, und wir würden uns vielleicht darauf freuen, später gemeinsam zu trinken.
In beiden Fällen könnte diese Person nüchtern echt nett und betrunken wirklich unangenehm sein. In der ersten Situation würden wir sie dann vielleicht beschreiben als „Furchtbar nervig, pöbelt immer nur rum beim Saufen“, in der zweiten als „Wirklich nett, aber gemeinsam Trinken geht gar nicht“. Das sind offensichtlich ähnliche Eindrücke, die aber sehr unterschiedlich gewertet wurden – und ein erschreckend gutes Beispiel für die Macht des Ersteindrucks, um mir mal selbst auf die Schulter zu klopfen.
Nun sehen wir uns das Spektakel ja gerade aus Sicht der Körpersprache an: auch hier kann ein kleiner Unterschied schwere Folgen haben. Wer beim ersten Treffen unsicher rüber kommt – wackelnder Stand, schwitzige Hände, Meiden von Blickkontakt, Panikattacke inklusive Ohnmacht – wird auch als wenig selbstbewusst und ein wenig peinlich abgespeichert werden. Wer authentisch und normal erscheint, erweckt Sympathie, wer zu selbstsicher und zu sehr auf sein Auftreten bedacht wirkt, wird vielleicht eher ein wenig verachtet. Es ist also sehr wichtig, was unsere Körpersprache während einem ersten Treffen über uns sagt, und was wir daraus machen.
Ich habe euch nun ein wenig für das Sensibilisiert, worauf es ankommt. Die Details können sich die meisten von euch vermutlich denken, aber da es in der Psychologie Heuteein praktisches Schaubild mit ein paar positiven und negativen Einflüssen gibt, baue ich das gute Stück einfach mal nach, und gebe es euch hier:

negativ: lasche Haltungen, positiv: aufrechte, offene Signale

 

Der Erste Eindruck ist also wichtig – aber nicht final. Wenn man viel mit einer Person zu tun hat, kann sich jede Einschätzung noch komplett verändern. Ein Kommilitone und guter Freund fand mich (absolut nicht nachvollziehbarerweise) bei unserer ersten Begegnung furchtbar – und ich ihn. Im Laufe der Zeit haben wir uns besser kennen gelernt, und den Eindruck komplett revidiert. Nicht alles ist in Stein gemeißelt, aber bei Bewerbungsgesprächen oder ersten Dates hat man meistens nicht sehr viel mehr Chancen als exakt eine.

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