Eine delikate Frage erreicht uns in diesem Science Saturday: Wieso sind Fußmassagen eigentlich so prädestiniert dafür, zu Sex zu führen? Dafür spreche ich über meinen Eigenanteil an Forschung, dann über eine gängige Theorie, für die ich noch einen kleinen, neurowissenschaftlichen Ausflug in unser wunderschönes Gehirn machen muss, und schließlich über meine Einschätzung des Ganzen.

Zunächst: Massagen sind etwas Intimes, das kann jeder Kerl, der seine Freundin mal massiert hat, und andererseits mit ansehen musste, wie ein Mädchen (gut) oder ein anderer Kerl (schlecht) seine Freundin massiert, bestätigen. Insbesondere Fußmassagen können dabei sehr stimulierend sein, und zwar nicht nur für Fetischisten. In Filmen sieht man oft, wie Bond pro Film mindestens vier verschiedenen Frauen die hohen Schuhe auszieht, ihren elegant gestreckten Fuß dann kurz massiert und eine Szene später ihre Seele rausvögelt. Alle Männer fragen sich, wie er es jedes Mal schafft, die Gangster-Braut, gegen die er arbeitet, ins Bett zu kriegen und die Antwort ist: die Fußmassage macht’s!
Ich habe keine fertige Forschung zu diesem Thema gefunden (könnte damit zusammenhängen, dass ich auch nicht gesucht habe), sehr wohl aber eine kleine Forschung durchgeführt… oder in den meisten Fällen eher durchführen lassen. Klein bedeutet: ich weiß von 4 Paaren, die es probiert und bestätigt haben: Wenn man mit einer Fußmassage anfängt, endet das im Bett. (Für jeden mit ein wenig Ahnung: ich wollte hier nur eine kleine, qualitative Forschung („Ich konnte zeigen, dass dieses Phänomen vorkommen kann.“), und keine wirkliche, quantitative („Jede Fußmassage führt zu Sex, das konnte ich in meinem Experiment zeigen.“) betreiben.)
Angesichts der Tatsache, dass nicht nur viele enge Freunde, sondern auch meine Eltern, Nachbarn, und Kollegen meiner Eltern diesen Blog lesen, bereue ich die Wahl des Themas nun ein wenig, aber es geht hier immerhin um Wissenschaft!

Woran liegt die Erotik dieser Massage? Eine weit verbreitete, gängige Theorie hängt mit unserem „Sensorischen Homunkulus“ zusammen.
Dieser ist ein Modell, mit dem Neurowissenschaftler, Forscher, Populärwissenschaftler und Aufschneider beschreiben können, wie unser Hirn mit welchen Körperregionen zusammenhängt. Ein Homunkulus ist dabei eine Art kleiner Mensch – hier also der kleine Mensch in unserem Gehirn, auf den wir als großer Mensch abgebildet werden. Man unterscheidet zwischen einem motorischen und einem sensorischen Homunkulus, ersterer beschreibt, welche Hirnregionen für die Bewegungen welcher Körperpartie zuständig sind, letzterer zeigt, welche Hirnregionen bei Kontakt an welchen Körperzonen primär angesprochen werden. Dabei liegen benachbarte Körperregionen auch im Gehirn nebeneinander, weswegen sich eine Art kleiner Mensch ergibt. Da eine Fußmassage größtenteils aus „Fühlen“ besteht, und nicht aus abgefahrenen motorischen Aktionen unseres Fußgelenks, können wir uns zu diesem Zweck auf den sensorischen Homunkuls konzentrieren.

Sensory_Homunculus

Dieser Klumpen auf dem die Körperteile liegen, soll das Hirn darstellen. Der Fuß ist dabei überproportional groß. Ich hatte mal ein besseres Bild, aber…

Dabei zeigt sich, dass 1. die Hände mit am größten abgebildet sind, weil diese unser wichtigstes Fühlorgan sind (wäre auch komisch, immer unseren Arsch gegen Oberflächen, deren Textur uns interessiert, drücken würden), dass 2. die Bereiche, die den Genitalien entsprechen, erschreckend klein sind (ein Tritt in die Eier tut trotzdem weh) und dass 3. (und das ist eigentlich das, worauf ich hinaus will) die Füße direkt neben den Genitalien liegen und viel leichter anzusprechen sind (weil größer). Das legt den Schluss nahe, dass eine Fußmassage so anregend ist, weil ein recht großer Bereich unseres Gehirns darauf anspringt. Da das Gehirn so stark vernetzt ist, springt der Funke wohl oder übel auch zu den anderen Bereichen über und – schwupps – Sex.

Meine Einschätzung des Ganzen: Ich glaube, dass das mit dem Homunkulus durchaus möglich ist, aber bestenfalls einen Teil des Phänomens aus macht. Wenn wir bei einer Person sind, die uns anspricht, ist eine gewisse sexuelle Grundhaltung nicht ausgeschlossen, und wenn unsere Intimzonen dadurch ohnehin schon gereizt sind, sind sie auch leichter durch den Einfluss der Füße anzusprechen. Größtenteils sind es aber glaube ich die intime Nähe und die Massage selbst, die zum Sex führen. Mein kleines „Experiment“ wurde auch nur von Päärchen (und einem Single, der meinte, dass er sich selbst mal die Füße massiert, und guckt, wo es hin führt) durchgeführt – die hätten ohnehin früher oder später Unzucht getrieben. Dadurch wurde meine Forschung dementsprechend verwässert. Aber findet mal Probanden bei einem Experiment, das in den Nebenwirkungen „Kann zu Sex mit fremden führen.“ stehen hat.
Wichtig ist: Fußmassagen können durchaus anregend wirken, aber wenn ihr versucht, euch einen Partner startklar zu machen, sind sie auch nicht der heilige Gral.

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