Mein nächstes Thema zur Körpersprache ist unsere oftmals schockierend falsche Selbstwahrnehmung.
Körpersprache ist, wie wir gesehen haben, ein heikles und komplexes Thema. Das zeigt sich auch daran, wie wir über uns selbst denken: viele Leute, die eigentlich davon ausgehen, eine starke Körpersprache zu haben, sind schockiert, wenn sie sich zum ersten Mal bewusst von außen sehen. Auf Videos, insbesondere, wenn man nicht wusste, dass man gefilmt wird, wirkt man oft anders, als man immer annimmt – meistens kleiner und zurückhaltender, weniger selbstsicher. Unsere Mimik ist weniger stark, als wir es uns wünschen würden, unser Gang weniger selbstbewusst. Viele kleine Ticks fallen auf, nervöses Wackeln, ein Kratzen am Arm, Blähungen in überraschenden Momenten – das alles könnten Dinge sein, die uns eigentlich nicht so recht bewusst sind, die man von außen aber sehr wohl sieht.
Ich vermute (ganz recht, ich phantasiere hier nur), dass das an zwei Dingen liegt: In den meisten Fällen denken wir nicht über unsere Körpersprache nach, und nehmen eine Position ein, die unser Körper als der Situation angemessen (und damit meistens gemütlich) einschätzt. Je nach Situation kann diese sehr unterschiedlich sein – hänge Schultern und ein Schlendergang wenn man nur mal eben einkaufen geht, angespannte Muskeln, ein Ausdruck des Entsetzens und vollurinierte Hosen, wenn man im Wald vom Slenderman verfolgt wird oder an die Schrecken der RTL-II Nachmittagsunterhaltung denkt. Zusätzlich laufen unterbewusste Prozesse automatisch ab und führen zu erlernten, nicht unterdrückten Handlungen. Das andauernde Zurückschieben der Brille oder hemmungsloses Nase bohren könnten Dinge sein, die wir sonst nach Möglichkeit unterdrücken.
Der zweite Punkt ist, dass wir eigentlich kaum Feedback davon haben, wie wir nach außen hin wirken. Wenn wir also auf unsere Körpersprache achten, haben wir trotzdem keine Ahnung, ob außen auch das an kommt, was innen geplant ist. Uns fehlt der Vergleich, weil wir in der herkömmlichen Alltagssituation keine Möglichkeit haben, uns von außen zu betrachten, und zu denken „Ja, ja, nicht schlecht, Schultern ein wenig zurück, geiler Arsch in der Hose übrigens, guck Mal, kannst du vielleicht mehr lächeln, ja, genau so!“. (Außer wir sind Buddhisten. Außerkörperliche Erfahrungen sind aber nicht jedermanns Sache.) Wir wissen nicht, welches Ausmaß an Lächeln nach außen hin gut und natürlich wirkt, außer wir verbringen viel Zeit damit, es vorm Spiegel einzustudieren.
Beides zusammen macht es noch viel schwerer, gleichzeitig natürlich aber positiv zu wirken… sollte uns aber nicht aufhalten. An vielen Dingen kann man arbeiten, aber dazu morgen mehr.

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