Mehrere Punkte sind wichtig für das korrekte Deuten von Körpersprache, aber ich glaube, der wichtigste ist der Kontext. Unsere nonverbale Kommunikation (also unser Rumgehample beim Reden, unsere ganzen unsinnigen nervösen Ticks, unsere Emotionen, die Haltung und viele viele kleine Details) kann nur im Kontext gedeutet werden, das Bild einer Geste ist meistens sehr nichtssagend. Bei Emotionen geht das meistens besser, da diese recht „atomar“ sind, und oft nicht gut gesteuert werden können. Deshalb kann man Emotionen meistens sehr gut erkennen, sogar über kulturelle und teilweise Artengrenzen hinweg. Guckt mal „Lie to Me“.
Körpersprache hingegen ist zwar auch in vielerlei Hinsicht verallgemeinerbar, aber sehr komplex und spezialisiert. Jeder Mensch spricht sozusagen einen eigenen Dialekt mit seinem Körper, und das Gesamtkunstwerk ist das, was wir lesen können – oder auch nicht. Dabei wird durch Haltung und Gesichtsausdruck eine erste Einschätzung vermittelt, die Menschen brauchen, um abschätzen zu können, mit wem sie es zu tun haben. Kleinste Änderungen, Gesten oder Handlungen können dieses Bild grundlegend verändern. Wenn wir eine Person besser kennen lernen, lernen wir auch die subtilen Unterschiede kennen, die sie in ihrer Sprache zeigen. Während eine Person bereits eindeutig niedergeschlagen ist, wenn ihre Schultern ein wenig hängen, kann das bei einer anderen der Grundtonus sein. Je besser wir eine Person kennen, desto genauer können wir bestimmen, welcher Aspekt ihrer Körpersprache was ausdrückt. Dieses Hintergrundwissen ist also wichtig, um präzise sagen zu können, was welche Haltung ausdrückt.

Natürlich reicht der Kontext der Person, die uns gegenübersteht nicht aus. Wer nicht in der Lage ist, eine Situation korrekt einzuschätzen wird seine Probleme haben, mit Körpersprache zu arbeiten. Ich erinnere mich an eine Studie, von der ich vermutlich auf der IK gehört habe, bei der Bilder von Körperpositionen beschrieben werden sollten. Die Bilder waren bewusst relativ zweideutig angelegt, aber die breite Fächerung von Interpretationen konnte belegen, dass Aussagen über die Körpersprache auf Bildern ungefähr so gut funktionieren wie Aussagen über die Körpersprache eines Tischfeuerwerks. Um ein Beispiel zu nennen: Zu sehen war der Oberkörper eines Mannes, der rechte Arm angewinkelt, gespannt und die Hand zu einer faust geballt. Das Bild wurde oft als Siegesgeste interpretiert, viele Leute fanden die Geste aber bedrohlich. Wenn hier der Kontext fehlt, kommt man nicht weit mit der Interpretation; wer ihn nicht einschätzen kann, läuft Gefahr, einem Golfer nach einem Hole-in-One erstmal zwischen die Beine zu treten und dann Haken schlagend über den Platz zu flüchten, obwohl dieser sich eigentlich nur gefreut hat.
Ich könnte noch weiter über die Bedeutung des Kontexts im Zusammenhang der Körpersprache schreiben, aber ich glaube, ihr habt meinen Standpunkt mittlerweile kapiert 😉

 

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