Vermutlich wurde jeder von uns gezwungen, irgendwann um die 10. Klasse herum im Deutschunterricht Kommunikationsmodelle zu lernen. Bei den meisten von uns dürfte bestenfalls etwas hängengeblieben sein, das man normalerweise angewidert anstarrt, dann versucht es runterzuspülen und schließlich doch zur Klobürste greift. Eine Sache aber weiß jeder: „Man kann nicht nichtkommunizieren.“
Dieser hingerotzte Satz ist meistens mit ziemlich viel intuitivem (oder hängengebliebenem) Wissen verbunden: Natürlich kann man nicht nicht kommunizieren, sich gegenseitig zu ignorieren, vermittelt auch eine Botschaft. Aber es spielen noch mehr Aspekte in diese Feststellung hinein – ein großer davon ist Körpersprache. Diese wird nicht umsonst auch als nonverbale (also nicht-gesprochene) Kommunikationbezeichnet, Körpersprache findet vermutlich öfter Anwendung als tatsächliche Sprache.

Einerseits ist sie ein tolles Mittel, um zu untermalen, was wir ausdrücken wollen – Gesten und Zeichen sind wichtige Teile unserer Körpersprache. Sie unterscheiden sich kulturell, aber in unseren Kreisen sind Konzepte wie ein hochgereckter Daumen, ein Nicken oder der beliebte „Tritt in die Eier“ allgemein verständlich und werden intuitiv übersetzt. Aber auch Emotionen fallen in diesen Bereich: „Mein herzlichstes Beileid“ mit einem ausdruckslosen Gesicht ist nicht sonderlich aussagekräftig, ein starr dahin gesagtes „Ich hab so Spaß hier!“ nicht sehr überzeugend. Unsere vielfältigen Gesichtsausdrücke (oft penibelst kontrolliert und entsprechend bewusst zurechtgerückt) können das Gesagte noch unterstützen und füllen es erst mit Leben.

Auf der anderen Seite gibt es Dinge, die eher unser allgemeines Auftreten betreffen. Unsere Haltung – ob gespannt und perfekt stehend wie ein Kellner in einem Restaurant, in dem das Klopfen an der Tür schon nur per Kartenzahlung möglich ist, ruhig aber aufrecht oder zusammengesunken und lasch wie wenn man herausgefunden hat, dass die Band, wegen der man auf ein Festival gefahren ist, abgesagt hat, und dafür nun eine Volksmusiktruppe einspringt – beeinflusst sehrstark, wie wir von anderen wahrgenommen werden. Die ganzen Business-Ratgeber würden nun anfangen von Dominanz und Chefposition zu sprechen, und damit haben sie auch irgendwo recht, aber auf diese Schiene will ich nicht kommen. Viel wichtiger ist mir, dass ein angemessener Auftritt bestimmt, wie wir wahrgenommen werden. Jemand, der zusammengesunken auf einem Stuhl sitzt, wird weniger ernst genommen, für weniger offen und glücklich und damit für weniger interessant gehalten. Jemand, der den ganzen Tag über so gespannt in der Ecke steht, dass man ihn problemlos als Planke benutzen könnte, wenn man mal einen zwei Meter breiten Spalt überqueren muss, wirkt … naja, angespannt eben. Die Haltung ist meiner Meinung nach auch das Erste, was man bei anderen Menschen, an denen man nur vorbei läuft, wahr nimmt. (Nicht, dass der Eindruck bei Leuten, die nur an einem vorbei laufen, wichtig wäre, aber ich wollte es erwähnt haben.) Neben der Haltung sind hier viele weitere Dinge wichtig – unser Blick (wach, stetig, müde, unbeständig,…), und unser allgemeines Verhalten, sogar bis hin dazu, wie höflich wir sind. (Jemandem eine Tür auf zu halten ist nonverbale Kommunikation.

Dann gibt es auch noch Dinge, die wir unmöglich kontrollieren können. Vieles davon sind vegetative Prozesse unseres Körpers, also Dinge, die einfach biologisch ablaufen. Erröten ist etwas hiervon, aber auch die Veränderungen von Wimpernschlagfrequenz und Pupillengröße, wenn wir erregt oder nervös sind, schwitzige Hände, Zittern und Zuckungen. Sie sind unkontrollierbar und biologischer Natur und damit durchaus wissenschaftlich zu etwas zu gebrauchen. Das ist auch der Grund, weshalb sie zum Beispiel in der Emotionsforschung oft abgerufen werden, um kurzfristige Veränderungen im Zustand des Probanden zu bewerten.

Nur um die Liste mit allem gefüllt zu haben, was mir gerade einfällt (ich nehme Vorschläge für fehlende Aspekte gerne entgegen): Es ist auch nonverbale Kommunikation, dass die Asiatin, die sich eben in der Bahn neben mich gesetzt hat, gestunken hat, wie das Lager für gebrauchte Spritzen in einem Amateurkrankenhaus! (Und nein, sie sah nicht aus, als würde sie da arbeiten, diese Frau hat keine Ausrede, so zu riechen!)

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