Oh Mann, mit diesem Post bin ich nicht zufrieden – aber ich habe gerade echt nicht die Zeit, ihn umzuformulieren :S

 

Es ist der Zeitpunkt gekommen, vor dem ihr euch alle gefürchtet habt: Die Rückkehr der Attributionstheorien! Ein dunkler Lord, Bernard Weiner, führt sie an, um sie zu neuer Macht – auch über den Sektor der Emotionen – zu leiten!
Nein wirklich, eigentlich ist diese Theorie echt schön. Und wenn ich schonmal so begonnen habe, versuche ich, sie mit Star Wars zu erklären, junger Padawan. Am besten beschäftigen wir uns zunächst mit Darth Weiners Theorie, zu Star Wars kommen wir später wieder intensiver zurück.
Weiner legt seinen Fokus auf Emotionen, die aus einem Leistungskontext heraus entstehen. Das ist wichtig, weil seine Theorie dementsprechend auch nur hier Sinn macht. Sehen wir uns das Mal an: Weiner beschreibt den Prozess der Emotionsentstehung als grobe, siebenteilige Sequenz, die als Reaktion auf eine Leistungssituation – bewusst oder unbewusst – in uns stattfindet:

  1. Die Person bewertet eine Situation als Erfolg/Misserfolg
  2. Entstehung reflexartiger, ergebnisbezogener Emotionen aufgrund dieser Einschätzung (Erfolg → Freude)
  3. Ereignis negativ, unerwartet und/oder wichtig Ursachensuche
  4. Entstehung attributionsabhängiger Emotionen nach der Attribution (Beispiele gibt es später)
  5. Gefunde Ursachen werden einer Dimensionsanalyse unterzogen (Lokalität, Stabilität, Kontrollierbarkeit)
  6. Entstehung von dimensionsabhängigen Emotionen
  7. sozialer Kontext → Untersuchung der Verantwortlichkeit

Wir sehen also drei Phasen, in denen Emotionen ausgelöst werden. Dabei zeichnet sich ab: je komplexer die kognitiven Prozesse werden, desto differenzierter sind diese Emotionen. Was zunächst Freude über einen Erfolg ist, kann am Ende des Prozesses tiefe Dankbarkeit über geleistete Hilfe sein.
Die einzelnen Phasen dürften eigentlich relativ klar sein: Ein junger Padawan hat seine erste Lichtschwertprüfung, hält das Übungsschwert falsch rum und zieht sich beim Ausfahren eine schwere Verbrennung im Bauchbereich zu, was auch echt peinlich ist. Yoda reagiert mit grammatikalisch fehlerhaft ausgedrückter Resignation, Obi-Wan findet es vermutlich irgendwie witzig, sagt was Sarkastisches und tadelt den Padawan dann. Doch was passiert im Padawan (außer dass sein Körper gegen die Verbrennungen ankämpfen muss)?

  1. Ich will dem Padawan nun grundsätzliche Intelligenz und kognitive Fähigkeiten unterstellen, also wird er diese Angelegenheit wohl als Misserfolg verbuchen, während sein Bauch mit Kühlpaste eingerieben wird und sein Gegner ziemlich gefeiert wird, weil er gewinnen konnte ohne sein Lichtschwert einzusetzen (und seinen Erfolg bestimmt auf seinen makellosen Umgang mit der Macht schiebt).
  2. Neben einigen Schmerzen werden nun auch erste Emotionen herbeigeführt. Das dürfte ein weniger differenziertes, negatives Gefühl sein, Trauer zum Beispiel. Und die Schmerzen natürlich. Die sollten wir nicht vergessen.
  3. Das Ergebnis war unerwartet und überraschend und wird damit wohl einer weiteren Untersuchung unterzogen. Wer sich wenig darunter vorstellen kann, sollte vielleicht nochmal einen kleinen Abstecher in die Archive des Tempels ablegen (soll heißen: lies meinen Kram zu Attributionstheorien, Bro), um sein Wissen aufzufrischen.
    Ich vermute, dass der Padawan bereits die spirituellen Lehren der Jedi aufgenommen hat, und nun entweder vermutet, bei der Macht in Ungnade gefallen (external) oder ein Vollidiot zu sein. (internal)
  4. Nun würden attributionsabhängige Emotionen entstehen. Hat er in Schritt 3 external attribuiert, also beispielsweise die Macht verantwortlich gemacht, würde er nun zum Beispiel mit Wut reagieren, oder hier eher mit Verzweiflung, und der Macht nicht länger vertrauen. Hat er jedoch internal attribuiert ist mit Scham, seeeeehr viel Scham zu rechnen. Ein Jedi, der sich selbst vor dem Kampf umbringt beschützt die Galaxie nicht sehr lange.
  5. „Gefunde Ursachen werden einer Dimensionsanalyse unterzogen.“ Hier sollten wir ein wenig ins Detail gehen:

Wer Attributionstheorien kennt, erinnert sich bestimmt an Konsistenz, Konsens und Distinktheit, die damals als die Dimensionen der Attribution beschrieben wurden, jedoch noch im Prozess der Attribuierung herangezogen werden, und nicht wie hier danach. Die Lösung ist ganz einfach: Das hier ist eine andere Theorie, und sie guckt sich eigene Dimensionen an, die ein wenig anders funktionieren. Es geht um Aspekteder gefunden Ursache, auf die attribuiert wurde, also um vom Grund ableitbare Eigenschaften.

  • Dimensionsabhängigkeit/Lokation
    • Wurde internal (Padawan ist dumm) oder external (die Macht hat ihn verlassen) attribuiert?
  • Stabilität
    • Wie stabil ist die Ursache über die Zeit hinweg? (Hat die Macht ihn für immer verlassen? War er nur kurz dumm/unkonzentriert?)
  • Kontrollierbarkeit
    • Sind die Ursachen willentlich kontrollierbar (Konzentrationsmangel/Unachtsamkeit), oder gibt es keinen Einfluss auf sie (Zufall/die Macht)
Die Ausprägungen dieser Dimensionen lösen nun unterschiedliche emotionale Reaktionen aus. Dabei war es Weiner wichtig, nur Angaben über Emotionen zu machen, die er empirisch bestätigen konnte.
Das Ereignis betrifft die eigene Person: internal attribuiert: (positiv)Stolz oder (negativ)Schuld, external attribuiert (positiv) Dankbarkeit, (negativ) Ärger
Das Ereignis betrifft eine andere Person: internal attribuiert:  (negativ)Ärger, external attribuiert: keine bewiesenen Effekte
Dabei lassen die Dimensionen nun auch weitere Schlüsse zu:
  • Lokation
    • grundlegenster, affektivster Einfluss auf die Emotionsqualität
    • Bei internaler Attribution treten vermehrt selbstwertbezogene Emotionen auf. (Scham, Stolz…)
  • Stabilität
    • Stabilität beeinflusst auch zukünftige Erwartungshaltungen. Wird auf einen stabilen Grund attribuiert sinkt die Aussicht darauf, ihn zu ändern, was zu Hoffnungslosigkeit führen kann. (siehe auch: Theorie der Erlernten Hilflosigkeit)
  • Kontrollierbarkeit
    • entscheidet zwischen differenzierteren Gefühlen
    • Misserfolg aus mangelnder Anstrengung (kontrollierbar) → Schuld
      Misserfolg aus mangelnder Fähigkeit (weniger kontrollierbar) → Scham
    • internaler Erfolg löst (fast) immer Stolz aus (wir finden schon einen Weg, es uns als Erfolg anzurechnen)
    • externale Attribution arbeitet stark mit Kontrollierbarkeit und löst soziale Emotionen aus: „Ich bin durchgefallen weil der Lehrer mich hasst!“ wäre external und kontrollierbar attribuiert.
  1. Also liegt die Begründung der nun folgenden Emotionen in den Dimensionen, die sich aus der vom Padawan getroffenen Attribution ergeben. Wenn er auf seine mangelnde Konzentration attribuiert hat, liegen die Dimensionen internal, variabel und kontrollierbar, was den Padawan mit einem Schuldgefühl darüber erfüllt, dass er seinen Orden mit Schande befleckt hat. Hätte er jedoch beschlossen, dass sein Gegner eindeutig das Schwert manipuliert haben muss, sodass es sich zu schnell öffnete, wären wir bei external, fragwürdig stabil und kontrollierbar. Das würde zu Wut führen, und diese – wie wir alle wissen – zu Hass und damit zur dunklen Seite der Macht.
  2. Der letzte Abschnitt betrifft nun den Erfolg des Gegners. Wenn der Padawan die Schuld fürs Versagen bei sich selbst sieht, liegt keine Kontrollierbarkeit beim Gegner, weswegen sich die Frage nach der Verantwortlichkeit nicht stellt. Beschuldigt er jedoch seinen Gegner, das Schwert manipuliert zu haben, ist der Umstand eindeutig kontrollierbar, und die Verantwortung liegt bei ihm. Das löst zum Beispiel Ärger aus.
    Das funktioniert auch anders herum. Gehen wir davon aus, dass wir die Innenperspektive von Arsch-loch sehen, und dieser gar nichts mit dem versagen zu tun hat, er hat sich sogar auf einen Kampf gefreut. Dennoch versagt sein Gegner, und er muss sich fragen, warum. Die Ursache ist schnell gefunden: Der Kerl war schon immer ein Idiot und konnte auch nie vorne von hinten unterscheiden Er konnte also gar nicht richtig kontrollieren, ob er das Schwert falsch herum hält. Arsch-loch hat Mitleid mit dem armen Padawan, der nun im Krankenflügel liegt, sieht aber komplett ein, dass er vielleicht doch kein Jedi wird. (Jedi-Ritter sollten vorne von hinten unterscheiden können.)

 

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