Für viele junge (männliche) Studenten – insbesondere in Darmstadt – ist die Psychologie weniger ein Studiengang oder eine wissenschaftliche Disziplin, als vielmehr ein Schlaraffenland voller Wunder und Hoffnung, in der alle ihre Wünsche in Form einer Horde blonder Schönheiten Erfüllung finden, die sich nur um die Aufmerksamkeit der wenigen verbliebenen Männer reißen und einer Kissenschlacht in Unterwäsche nicht abgeneigt sind. An all jene jungen Männer richtet sich mein heutiger Science Saturday – Warum die Psychologie nicht so ein Nudelsalat ist, wie euer Maschinenbau, nicht so eine Würstchenparty wie eure heiß geliebte Mechatronik und nicht so übel riechend und verschwitzt wie die beschämt in der Ecke stehende Informatik.

Vorneweg: Ich habe mal wieder kaum wissenschaftliche Untersuchungen angestellt. Was ich hier beschreibe ist eine Mischung aus Beobachtungen, die ich selbst getätigt habe, Statistiken, die man mehr oder minder leicht im Internet finden kann (Oh ja, ich war beim Statistischen Bundesamt!), und der Anwendung einiger Theorien, die ich in der Uni kennen gelernt habe. Also lehnt euch zurück und erfahrt, warum ein Psychologie-Studium so schön anzusehen und so ausgesprochen weich ist.

Zunächst die harten Fakten: Es ist nicht nur eine grobe Einschätzung oder ein Phänomen an eurer Hochschule, sondern vielmehr Standard, dass es in den Humanwissenschaften weit, weit mehr Frauen gibt, als in anderen Fachbereichen. Auf die Gefahr hin, mich von allen in Darmstadt studierenden Kerlen als Lügner beschimpfen zu lassen: der Anteil der Frauen, die studieren, ist sogar höher als der der Männer. Dabei sind in den relevanten Altersschichten (20-40, eine bessere Tabelle konnte ich gerade nicht finden) ungefähr 50,6% Männer, der Rest Frauen. Das führt laut dieser Aufstellung zu insgesamt ungefähr 1,6 Millionen Studierenden, von denen 870.000 Männer sind – ein wenig mehr als die Hälfte.
Wieso erscheint es so vielen Kerlen dann als so aussichtslos, jemals eine Frau zu áus der Nähe zu sehen? Die Wahl des Studienganges ist das Problem. Dafür konnte ich glücklicherweise hier zwei schöne Statistiken finden. Aber wehe ihr lest da weiter! Das hier ist der Blog, den ihr lesen sollt!

Bei Frauen steht Psychologie an 6. Stelle, bei Männern kommt sie nicht vor. Informatik hingegen steht bei Männern an Stelle 3, und kommt bei Frauen nicht vor.

Es fällt auf: klassischerweise geschlechtsunspezifische Studiengänge stehen bei beiden Geschlechtern mit auf der Liste. Wenn wir BWL, Jura und WiWi jedoch streichen, bleibt (außer Medizin) keine Überschneidung. Die verbliebenen Studiengänge richten sich offensichtlich an komplett unterschiedliche Interessengruppen: Männer bevorzugen technische und naturwissenschaftliche Studiengänge, Frauen in der Regel Humanwissenschaften oder sogenannte Laber- oder Blümchenfächer – Fächer mit Sprachschwerpunkt. Übrigens steht Psychologie natürlich auch dabei, Hombres. Da seht ihrs: Frauen interessieren sich für andere Studiengänge als ihr.

2012 waren 8% der Männer Psychologen, und 19% der Frauen.

Auch wenn ich die Farbeinteilung im obigen Schaubild nicht wirklich sinnvoll finde (ähnliche Farben für ähnliche Bereiche hätten die Statistik verdeutlicht, aber was solls; dafür hatte ich weniger Arbeit und musste sie nicht selbst basteln), zeigt sich, dass die Interessengebiete einfach unterschiedlich liegen.

Ich versuche mal, die Frage nach dem „warum“ zu beantworten: es geht hier nicht direkt um unterschiedliche Kompetenzen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es keine Unterschiede in den grundlegenden, angeborenen Qualifikationen gibt, die dem Geschlecht folgen. (Wohl aber zwischen einzelnen Personen unterschiedlich liegen können. Das hat nur nichts mit dem Geschlecht zu tun. Behaupte ich zumindest.) Was es jedoch gibt, sind unterschiedliche ausgeprägte Interessen. Das ergibt sich eigentlich in der Schule.
Es gibt viele Experimente, sowohl Langzeitexperimente (Längsschnitt-) als auch Sofortaufnahmen (Querschnitt-Studie), die belegen, dass in den frühen Phasen der Schulzeit die Interessen von Jungen und Mädchen sehr ähnlich und allgemein sind. Es gibt kaum geschlechtliche Unterschiede zwischen Schülern, die Sprachen mehr mögen, und solchen, die eher an Mathe interessiert sind. Mit zunehmender Schulzeit geht das weiter auseinander, je „klassich männlich“er ein Fach ist, desto eher mögen Jungs es, Mädchen bevorzugen „klassisch weiblich“e Themen. Wie kommt das zustande?
Interesse an einem Fach entsteht schon früh. Je mehr man sich mit etwas beschäftigt, desto höheren Wert misst man dieser Sache bei, und desto größere Kompetenz entwickelt man in den entsprechenden Bereichen. Wenn sich ein kleiner Junge also früh viel mit Autos beschäftigt, wird er später ein großes Interesse an Autos haben und mehr darüber und über ähnliche Themen wissen wollen. (Aus ähnlichen Gründen mögen erwachsene Männer in der Regel auch Brüste 😉 ) Ähnliche Themen könnten in diesem Fall Mechanik sein, oder Physik, weil das unschuldige kleine Kind wissen will, wie die tollen Autos funktionieren, mit denen es immer spielt. Auf der anderen Seite des Zauns sitzt ein Mädchen und spielt Xylophon. Oder liest. Oder streichelt ein verdammtes Kaninchen. Was Mädchen eben so tun. Was glaubt ihr, wer sich später mal für einen Mathe-Leistungskurs entscheidet?
Das Wichtige bei der Sache ist: Die unterschiedlichen Interessen liegen nicht daran, dass es ein Junge oder ein Mädchen ist, sondern daran, dass wir (wir = das soziale Umfeld, die Erziehungsberechtigten, der Sexualstraftäter am Spielplatzrand und die NSA) wissen, dass es ein Junge oder ein Mädchen ist. Ob bewusst oder unbewusst: irgendwie werden Kinder meistens in ihre Geschlechtsstereotypen gezwängt. LEGO hat zum Beispiel sogar eine Lego-Prinzessinnen-Spielreihe rausgebracht, damit man das den Kindern schenken kann, die damit nicht unbedingt mehr anfangen können als mit normalem LEGO. Diese Entscheidungen prägen das Kind für später.
Die Kinder kommen also mit diesem von Kind auf entwickelten Interesse in die Schule. Zunächst sind alle Fächer ähnlich interessant, mit leichten Unterschieden (wer mit 4 schon Klavier spielen lernt, mag den Musik-Unterricht) aufgrund der frühen Prägungen. Jetzt kommen die Lehrer ins Spiel. Lehrer sind (diesen Vorschlag propagieren neueste Forschungen) auch nur Menschen, und auch sie kennen Geschlechtsstereotypen. Insbesondere weil diese hier schon leicht ausgeprägt sind, gehen sie weiter darauf ein. Nicht in großem Maße, aber doch teilweise durch angepasste Behandlung oder spezifische Aufgabenstellungen. (Der kleine Junge wird sich mehr für eine Auto-Aufgabe interessieren, das Mädchen mehr für eine mit Hasen.)
Schlimmer wird es in der Mittelstufe: Pubertät. Bei Kerlen heißt das Testosteron, und das wiederum heißt Konkurrenzkampf. Ein Junge, der seit er 6 ist regelmäßig zum Ballett geht, und jetzt in diesen brodelnden Topf aus größtenteils stereotypenbehafteten, nach Schweiß und Sperma riechenden Gorillas geworfen wird, ist zu bemitleiden. (Kann sich einige später aber seines Lebens freuen, wenn er der elegante Adonis ist, der in der Oberstufe zu haufenweise Ohnmachtsanfällen der weiblichen Mitschüler führt.) Somit festigen sich (auch bei Mädchen) die Geschlechtsstereotypen weiter.
In der Oberstufe beruhigt sich alles wieder. Man wird ein wenig offener. Dennoch ist es hier bereits so weit gekommen, dass deutliche Interessensunterschiede vorliegen, die wiederum die Studiengangswahl beeinflussen. Und das ist der Grund, wieso wir mehr Frauen in Humanwissenschaften antreffen als in der Kernphysik.

Somit kann ich als Psychologie (in IT)-Student nur sagen: Das Leben ist schöner mit Mädchen 😉
(Nein wirklich. Mein Fachbereich wird in der Orientierungswoche auf alle Parties eingeladen, weil wir Mädchen mitbringen und die Party dann weniger traurig aussieht!)
Jungs, eure Eltern sind schuld! Schickt eure Söhne ins Ballett, wenn ihr ihnen eine harte Kindheit und eine Phantastische Jugend wünscht!

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