Das jetzt folgende Thema ist mir ein wenig unangenehm, aber ich glaube, wir haben uns einfach unter den falschen Umständen kennen gelernt. Versteht mich nicht falsch: ich bin ein großer Befürworter der Evolution, und finde damit verbundene Theorien meist recht plausibel und spannend, aber nachdem mich mein vorbildlich angelegter Lernzyklus zwei Tage vor der Klausur dazu zwang, mich 10 Stunden am Stück mit verschiedenen Derivaten der evolutionären Emotionstheorien zu beschäftigen, finde ich den Kram jetzt ungefähr so witzig wie Daumenschrauben. Und die sind im Ranking der beliebtesten Gadgets für Kindergeburtstage ungefähr auf einer Stufe mit toten Hunden und Tokio Hotel zu finden.
Unser Einstieg ist aber eigentlich noch ganz angenehm, denn hier geht es um den Vater der Evolution: Charles Darwin. Heute gehe ich also auf die Grundkonzepte der Evolutionspsychologie und der Evolution im Allgemeinen ein. Beim nächsten Mal geht es dann um Darwins Verständnis von Emotionen, dann um eine moderne Aufarbeitung der Evolutionspsychologie und schließlich um spezifischere Theorien, die ein bisschen tiefer gehen, als das, was Darwin dachte.

Aus Kartoffel wird Hirn!

Beginnen wir also mit Evolutionärer Psychologie. Diese ist nicht als Teilgebiet oder Thema, aber auch nicht als einzelne Theorie zu sehen, sondern ist eine spezifische Herangehensweise, mit der manche Psychologen versuchen, Phänomene wie unseren Geist und unser Verhalten zu erklären. Es wird dabei weniger auf direkte Experimentalpsychologie gesetzt, sondern eher ein wenig „Herumgedacht“ – unter Zuhilfenahme von Kenntnissen in Evolutionsbiologie, Neurowissenschaften und Anthropologie. Sie ist ein Gegenstrom zu sonst vorherrschenden psychologischen Sichtweisen, die versuchen, die Psychologie zu Entbiologisieren, sondern will erklären, dass menschliches Verhalten nicht nur von allgemeinen Mechanismen wie Lernen, Nachahmen oder Denken abhängt.

Die Fragen dabei sind zum Beispiel „Warum ist die menschliche Psyche auf natürliche Weise so geworden, wie sie ist?“, „Welche Vorteile haben wir durch sie im genetischen Design gegenüber unserern Vorfahren/anderen Spezies.“ oder „Wieso haben 13 Meter lange Riesentintenfische mit Giftschnabel eigentlich kein Bewusstsein und einen umgekehrten Taucheranzug entwickelt und die Menschheit versklavt?“

Es ist leicht zu sehen, dass hier das Interesse bei anderen Fragestellungen liegt als in der klassischen Psychologie. Diese erforscht nämlich proximate(also nahe) Ursachen für (beispeilsweise) Verhalten, also die nähere Vergangenheit oder Umgebung. Dabei wird für gewöhnlich nicht viel weiter zurück gegangen als bis zu den Eltern oder Großeltern, da alles vorherige kaum direkten Einfluss gehabt haben wird. Die Evolutionäre Psychologie sucht eher nach ultimatenUrsachen, es geht um grundlegende Ursachen im großen Rahmen, bis eben zurück zur – Überraschung! – Evolution. Als Ziel ist hierbei die „Beschreibung und Erklärung der Natur der menschlichen Psyche“ gesetzt worden.
Die Frage nach dem „Wie?“ bringt uns nun zum harten Kern der Evolutionstheorie, der hier seine Anwendung findet: Die Grundannahme ist, dass sich die menschliche Psyche so gestaltet hat, wie sie ist, weil sie konkrete Probleme unserer Vorfahren einfach besser lösen konnte als andere. Ein kleines Beispiel: Niemand von uns spürt gerne Eifersucht. Es ist ein brennendes, unangenehmes Gefühl, wir werden wütend und wissen nicht so recht, auf wen überhaupt, und wollen nur eine Sache: unsere Partnerin aus den Händen von diesem Typen da drüben reißen, den sie gerade so toll findet, weil er sein neues Leopardenfell trägt. Eifersucht könnte uns also den biologischen Vorteil verschaffen, dass sie uns einen Handlungsimpuls liefert, der dazu beiträgt, uns unsere Kleine frisch zu halten, und mit ihr viele kleine Höhlenbewohnerkinder zu zeugen. Wäre unsere Psyche anders aufgebaut und würde beispielsweise in einer ähnlichen Situation Glückshormone ausschütten, hätten wir keinen Impuls, unsere Partnerin bei uns zu behalten, sondern würden sie eher rumgeben wie eine Tüte Chips. Wenn das alle so machen führt das erstens zu gewaltigen Orgien (was vermutlich positiv ist) und zweitens zu vielen vorzeitigen Single-Mutterschaften. Und solche enden meistens auf RTL. Und dass das ein evolutionärer Nachteil ist, brauche ich keinem zu sagen.
Es geht also darum, wie wir uns in der Vergangenheit so angepassthaben, dass sich unsere Reproduktionsmöglichkeiten, damit unsere Verbreitung und damit die Anpassung selbst, vervielfältigen konnten. Diese Anpassungen können unterschiedlicher Natur sein, zum Beispiel somatisch (Anatomie, Physiologie, Genetik), soziokulturell und soziobiologisch(Alter bei Volljährigkeit (ja, auch Tiere werden volljährig), Alter bei Pubertät), oder eben psychisch. (Kognitionen, Motive, Emotionen) Und hier sind wir sehr nah, an dem, was Darwin über Emotionen dachte.

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