Kommen wir zu einer der großen Evolutionspsychologischen Emotionstheorien: Der Instinkttheorie nach McDougall. Ich persönlich hasse diese Theorie insbesondere, weil ich beim Lernen furchtbar viel Zeit damit verschwendet habe, aber ich glaube, McDougall meinte es nicht persönlich, also versuche ich, sie objektiv wiederzugeben.
McDougall prägte den begriff des Instinktes so, wie wir ihn heute benutzen. Dementsprechend ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er sich auf diesem Ruhm ausruhte, und auch seine Emotionstheorie auf diesem Begriff begründete. Fauler Sack.
Ein Instinkt ist nach Dougall eine relativ bereichsspezifische psychische Disposition, auf einen Reiz auf eine bestimmte art zu reagieren. Also eine Art innerer Drang, der uns dazu veranlasst, einem bestimmten Reiz gegenüber auf eine bestimmte Art zu reagieren. Diesen Instinkten ordnete Dougall später auch Emotionen zu. Er unterscheidet dabei Haupt- und Nebeninstinkte, mit Hauptinstinkten verknüpfte Emotionen intensiver als von Nebeninstinkten herrührende. Dazu später mehr, zunächst betrachten wir den Instinktprozess:
Eines Abends beschloss McDougall – ein voll und ganz durchtriebener Mensch – dass er sich eigentlich nicht nur als Instinktforscher, sondern auch als Möchtegern-Neurowissenschaftler verdingen möchte. Er saß ein wenig herum, betrank sich (Schotten…), und entwarf einen scheußlichen Plan, der arme Studenten viele Generationen später noch in die Verzweiflung treiben würde: sein Instinktprozess. Dieser besteht aus drei Teilen: einem afferenten (intern gelegen), einem zentralenund einem efferenten(nach außen hin gelegen… das wird gleich deutlicher), die in Wechselwirkung den kompletten Prozess des Durchlebens eines Instinktes beschreiben.
Der afferente Teilbeschreibt den Auslöser des Prozesses. Er besteht aus einigen Neuronen, die derart verschaltet sind, dass sie beim Erkennen einer bestimmten Gegebenheit (eines Reizes) feuern. Dadurch veranlassen sie weitere Prozesse in unserem Gehirn.
Es folgt der zenrale Teil, der für die Qualität der erlebten Emotion zuständig ist. McDougall vermutete ihn irgendwo im Gehirn, wo ist auch egal, soweit ich weiß, stimmte seine Prognose ohnehin nicht. Im Prinzip ist er dafür zuständig, den erlebten Reiz (weitergegeben durch die Reaktion der Neuronen) zu deuten und an den restlichen Körper zu übersetzen. Er schickt zum Beispiel Signale, die unsere motorische und viszerale (organismische) Aktivität betreffen, an die entsprechenden Körperzonen.
Der Efferente Teil ist dann das bewusste Erleben der vom zentralen Teil ausgeschickten Impulse. Wenn unser Energiepotential angeregt wird, und wir einen Fluchtdrang spüren, merken wir das im efferenten Teil. Er ist auch die letzte Barriere, die die Signale zur finalen Ausführung an die Muskeln weitergibt. (Um zum Beispiel wegzurennen)
Laut Dougall sind diese Reaktionen angeboren, aber veränderbar. (Behaviorismus… das ist nichts Neues, Dougall!!) Wichtig ist, dass aber nur der afferente und der efferente Teil manipulierbar sind, nicht jedoch der zentrale. Das erklärt Dougall dadurch, dass Angst sich immer anfühlen wird, wie Angst, wir aber verändern können, was Angst auslöst(Spinnen, Serienkiller, McDougalls Emotionstheorie, Brombeeren,…) und wie wir auf diese Angst reagieren.(Wegrennen, Bekämpfen, Ignorieren, Weinen, wie eine bedrohte Seegurke (Bedrohte Seegurken scheiden ihre kompletten inneren Organe durch ihren Anus aus, um ein Ablenkungsmanöver zu starten, können im Anschluss aber nicht sehr viel anderes tun, als liegen zu bleiben, und sie langsam wieder einzusaugen. Meistens ist das Ausscheiden von Organen aber so ekelhaft, dass die Sache vor der man Angst hat, es sich anders überlegt, und woanders hin geht.))
Die afferente Anpassung geschieht durch Ausweitende Assoziation (derkleine Albert lernte, seine Angst vor dem Krach auf die Ratte zu übertragen), Generalisierung (ein Hase sieht irgendwie aus wie eine Ratte, deshalb hatte er auch davor Angst) oder – entgegengesetzt – durch Spezialisierung. (Ich habe Angst vor allem, was Flauschig ist, und lerne mit der Zeit, dass nur weiße Häschen die Brut der Hölle sind, und Ratten eigentlich toll.)
Die efferente Anpassung geschieht größtenteils durch Sozialisations- und Lerneffekte.
Kommen wir also zu Dougalls Auffassung von Emotionen:
Diese sind die Erlebnisqualität eines Instinktprozesses. Ihre Qualität bestimmt sich im zentralen teil durch die Wahrnehmung der Afferenz, ihre Intensität durch die Wahrnehmung und das Erleben der Efferenz. Als Funktionen nennt er das schnelle Erkennen von Situationen und angemessenen Verhaltensweisen, physiologische Aktivierung und eine sozialkommunikative Funktion. Soweit nichts Neues. Interessant ist jedoch (und das muss ich McDougall lassen), wie er Emotionen einteilt.
Die erste Gruppe sind Primäremotionen. Diese entstehen innerhalb eines Instinktprozesses, sind vererbt und nicht weiter zerlegbar. Ich gehe nur auf die wichtigsten Hauptinstinkte ein. (Alles andere wäre Wahnsinn. McDougall hat insgesamt über 14000 Instinkte vorgeschlagen, und damit seinen Begriff so weit überstrapaziert, dass die komplette These Mist wurde. Tja, Dougall, doof, wenn man nur eine Sache kann!) In der folgenden, extrem schick gestalteten und übersichtlichen Tabelle seht ihr einen Überblick.
Angeborene Auslöser führen zu einer Emotion, die uns mit einem Handlungsimpuls versieht. Das Alles beruht auf einer einfachen, biologischen Funktion.

 

Außerdem ist ein weiterer Instinkt hervorzuheben:Der desMitfühlens. Dieser kann als Auslöser für alle Emotionen fungieren. Er ist bei sozial lebenden Tieren (wie Menschen) sehr wichtig, und gibt uns die Neigung, das Verhalten unserer Artgenossen zu übernehmen. Bei Erdmännchen sieht man das schön: die halbe Kolonie steht Wache, sobald einer etwas merkt, rasten alle aus und verstecken sich. Der Instinkt ist ausschlaggebend für die soziale Komponente unseres Verhaltens, und wichtig für die Kommunikation.
Die nächste Gruppe sind Sekündäremotionen.Diese entstehen aus der Kombination mehrer Primäremotionen und können teils sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen. In dieser weiteren, ergonomisch geformten Tabelle, seht ihr einen Auszug.
Sekundäre Emotionen setzen sich aus primären zusammen: Ekel + Ärger = Verachtung
Die letzte Gruppe sind abgeleitete Emotionen. Diese entstehen affektiv aus dem Zusammenhang heraus, und sind eine Art Katalysator für andere Emotionen. Wichtig sind sie in Leistungssituationen: Wenn Erfolg oder Misserfolg eingetreten ist, oder vermutet wird, spielen abgeleitete Emotionen wie Hoffnung, Bedauern, Zuversicht, Enttäuschung und Verzweiflung eine Rolle.
Ein Beispiel. Ich lerne für meine Allgemeine Klausur (Und wie wir alle wissen, hat sich das ausgezahlt 😀 ), und werde mit McDougalls Emotionstheorie konfrontiert. Zunächst war ich relativ motiviert, weiter zu lernen. Sobald ich feststelle, was McDougall mir antun wird, legt sich Verzweiflung über meine ursprünglich recht gute Grundeinstellung, und behindert mich beim weiteren Lernen. Sie schwächt meinen Antrieb ab, und ich lerne langsamer und weniger gut. Wenn ich aber erfahre, dass McDougall gar nicht klausurrelevant ist, kann ich den Mistkerl getrost überspringen und woanders weiter machen. Ich habe ein besseres Gefühl in Bezug auf die Zukunft und lerne besser weiter.
Zugegeben, mein Beispiel ist Mist. Aber so passt es besser in den Text. Wenn ihr euch ein gutes Beispiel vorstellt, bei dem Polarforscher fast erfrieren und noch 30 Kilometer zu ihrer Station laufen müssen, habt ihr ein besseres Verständnis: schlechtes Wetter mindert ihre Chancen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass sie es versuchen, bei gutem Wetter sind sie optimistisch. Evolutionär gesehen haben abgeleitete Emotionen also die Funktion, uns zu Handlungen zu bringen oder uns davon abzuhalten, im letzteren Fall um vielleicht doch eine Höhle zu suchen und dort zu überleben bis sich die Chancen verbessern.

Ich bin wirklich froh, dieses Thema endlich hinter mir zu haben. Morgen sehen wir weiter!

2 comments on “Emotion – Evolutionäre Theorie nach McDougall (dem Arsch)

  • Also erstmal ein großes Danke an den genialen Verfasser! Eine ernst zunehmende Kunst so zu erklären.. Chapeau! Hatte noch nie so viel Spaß beim Lernen wie in diesen zwanzig köstlichen Minuten meines Lebens.

    • Hi Ari,

      das hört man gerne – du dürftest gerade mit das beste Feedback sein, das ich bisher bekommen habe!
      Bitte entschuldige meine späte Antwort – der Plog liegt (leider) etwas auf Eis. Vielleicht nehme ich ihn aber bald, beim Lernen für Klinische Psychologie, wieder in Betrieb… Ich müsste nur Mal den Arsch hoch kriegen. 😀
      Kommentare wie deiner helfen mir allerdings dabei, die Motivation wieder Mal aufzubringen, also vielen Dank, und ich hoffe ich konnte helfen 🙂

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