Heute war ein langer Tag, also liefere ich schnell noch etwas nach, was ich schon vorher hätte veröffentlichen sollen.

Es geht heute um nichts Großes, aber wer einen wissenschaftlichen Blog liest, kann vielleicht von einer Präzisierung des Begriffs „Emotion“ profitieren. Wie wir bereits festgestellt haben, ist es sehr schwer, eine Emotion zu definieren, umso wichtiger ist es also, klar zu stellen, wie sich eine Emotion von verwandten Begriffen unterscheidet. Und vielleicht bringe ich es ja sogar so weit, dass ihr diese genaueren Begriffe selbst verwenden könnt.

Emotion, Stimmung, Affekt, Gefühl - schwer abzugrenzen

Heute unterscheide ich also Emotionen, Stimmungen, Affekte und – weniger bekannt – emotionale Dispositionen. Im folgenden gehe ich sozusagen von klein nach groß.

Ein Affekt ist ein reflexartiger, schneller Zustand, der sich auf eine bestimmte Gegebenheit bezieht. Er hält nur sehr kurz an, ist nicht sehr differenziert und für gewöhnlich unkontrollierbar. Affekte sind sehr intensiv und spontan.
Jede Art von Überraschung ist natürlich affektiv, wenn zum Beispiel plötzlich ein Auto um die Ecke rast und deinen Hund fast überfährt, gerade so noch bremst und stattdessen das Fahrrad eines Schulkindes zerschreddert, zeichnen sich erst affektiver Schrecken, dann affektive Angst und schließlich affektive Erleichterung ab. Je nach Verschlagenheit kann dann noch affektive Genugtuung entstehen, wenn das Kind den Verlust des Geburtstagsgeschenks am zweiten Tag beweint. Aber wer mag schon Kinder?

Über Emotionen haben wir bereits gesprochen. Um die Erinnerung noch kurz aufzufrischen: Emotionen sind aktuelle psychische Zustände, die sich durch spezielle Reaktionstrias (Ausdrucksarten) auszeichnen. Sie sind objektbezogen und haben eine gewisse Intensität, Dauer und Qualität.
Emotionen sind das, was wir allgemein als Gefühl bezeichnen, es geht zum Beispiel um einsetzende Freude, wenn man die Person (falls Polygamisten anwesen sind: eine der Personen) die man liebt, trifft. Man freut sich spezifisch über diese Person(en), und das Gefühl hält mindestens solange, wie man sich sieht, an.

Eine Stimmung ist eine momentan subjektiv erfahrene Befindlichkeit. Stimmung sind weitaus weniger intensiv als Emotionen, und halten viel länger an, was mit einem geringeren Objektbezug einher geht. Wenn man morgens schon weiß, dass das Beste, was heute passieren wird, der morgendliche Stuhlgang ist, dann hat man eine negative Stimmung. Diese wird durch einen ungefähren Umstand ausgelöst, wie zum Beispiel viel Anstrengung am tag vorher, schlechte Aussichten auf Erfolg im weiteren Tagesverlauf oder eine beschissene Nacht.

Der letzte Begriff ist die emotionale Disposition, die noch ein wenig allgemeiner ist als eine Stimmung. Eine Disposition ist in der Psychologie die überdauernde Bereitschaft einer Person, in einer bestimmten Situation auf eine bestimmte Weise zu reagieren. Dispositionen beschreiben sozusagen unsere grundlegendsten Verhaltensmuster. Emotionale Dispositionen sind somit eine Bereitschaft, eine bestimmte Emotion in einer bestimmten Situation hervorzurufen.
Eine emotionale Disposition wäre zum Beispiel die Neigung, auf Schlafmangel gereizt zu reagieren. Das muss nicht immer so sein, ist aber die Regel.

Von oben nach unten sehen wir also eine Verallgemeinerung der „Gefühle“ (Pro-Tipp: Niemals das Wort „Gefühl“ im wissenschaftlichen Kontext verwenden. Mein Professor hat heute einen 10 minütigen Vortrag dazu gehalten.), sie halten länger an und sind weniger objektbezogen.

Der Eintrag wurde doch wieder länger, wie es aussieht, aber jetzt habe ich es mir von der Seele geredet. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.