Steigen wir da ein, wo wir aufgehört haben: Bei Evolutionären Emotionstheorien. Speziell bei Charles Darwin.
Keine Angst – ich will euch an dieser Stelle nicht mit Charles‘ Leben und dem Ursprung seiner Arbeit nerven, sondern euch nur einen knappen Überblick geben: Charles Darwin wurde 1809 in England geboren und starb 1882. Den Großteil seines Lebens verbrachte er mit Forschung, wobei auf seinen Reisen unter anderem die Evolutionstheorie entstand, die bis heute weiter ausgearbeitet wurde. Er hat aber noch weitere Leistungen vollbracht: Er hat in Gebieten geforscht, für die sich niemand interessierte (Ja, ich weiß: das klingt fragwürdig nützlich.Später hat es sich aber als super Idee herausgestellt!), zum Beispiel ob die Mimik blinder Kinder mit der von Sehenden zu vergleichen ist, oder wie sich die Gesichtsausdrücke von Haustieren, Kindern und Geisteskranken entwickeln. (Denkt euch euren Teil darüber, was es bedeutet, dass diese drei Gruppen gemeinsam untersucht wurden.) Was aber viel bemerkenswerter ist: Er erfand gänzlich neue Forschungsmethoden, die sich mitunter auf eine starke Empirie, also wissenschaftlich haltbare Beweise, stützten. Das war damals sozusagen Neuland (und wird heute noch immer von einigen Leuten missverstanden oder ignoriert), das von Darwin besiedelt wurde. Hierbei entwickelte er auch neue Methoden, gehörte zum Beispiel zu den ersten, die wirklich mit Fotographien forschten, oder untersuchte kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede, indem er Forscher auf der ganzen Welt postalisch dazu aufforderte, seine Experimente zu wiederholen. Das klingt alles furchtbar trivial und langweilig, war vor knapp 200 Jahren aber revolutionär.
Kommen wir zum eigentlichen Thema: Darwins Evolutionstheorie.

Grob lässt sich seine ganze Theorie in einem einzigen Satz zusammenfassen:

Survival of the Fittest.“

Soll heißen: Wer am besten zurechtkommt, überlebt. Sein Gedanke basiert dabei auf der grundlegenden Selektion und Adaption von Spezies: Dadurch, dass jede Spezies sich unendlich ausbreiten könnte, die Lebensräume und Ressourcen aber beschränkt sind, stellt sich ein gnadenloser Wettkampf ein: Wer am besten Blätter essen kann, kann mehr Blätter essen und ist dementsprechend satt, wer am besten alle Weibchen begatten kann hat wunde Geschlechtsteile und viele Kinder, macht aber aus Energiemangel irgendwann schlapp, weil die Blätteresser ja schon alle Blätter gegessen haben und es damals noch keine Energy-Drinks gab.
Das allgemeine Ziel des Wettkampfes ist es – sehen wir den Tatsachen ins Auge – sich fortzupflanzen, und das ist auch heute noch so: Der Hauptgrund, aus dem Menschen ins Fitness-Center gehen ist nicht die Gesundheit, sondern weil sie gut aussehen wollen. Und wozu? Mit Sicherheit nicht, um mehr Blätter essen zu können als der Typ mit dem Ferrari.
Dabei stellt sich dann die Frage, welches Lebewesen effektiver überlebt: Das, das die Blätter frisst, und nicht verhungert, oder das, das Sex, Drugs and Rock’n’Roll lebt und jung an einer Überdosis stirbt, dafür aber viele viele kurzlebige Nachfahren in die Welt setzt. Das Ergebnis dieser Fragestellung ist dann die natürliche Auslese.
Diese Unterschiede bestehen, wie ihr vermutlich wisst, nicht nur zwischen Spezies, sondern auch zwischen Individuen der gleichen Art, die unterschiedliche Merkmale aufweisen, die sie zur Reproduktion befähigen. Diese Merkmale sind von den Eltern vererbt und zusätzlich durch spontane und zufällige genetische Mutation entstanden. Richtig, „Mutation“ heißt nicht zwingend, dass wir 8 Arme haben und in der Kanalisation leben, sondern kann auch positive Folgen haben. Ein Beispiel: Ich habe aus genetischen Gründen vermutlich einen weitaus angeseheneren Blog als ihr, aber bestimmt gibt es irgendjemanden da draußen, der aufgrund seiner Veranlagung besser Jojo-Spielen kann als ich. Der Schlüssel zur Evolution ist die Weitergabe dieser Besonderheiten. Wenn alle Frauen total auf meinen Blog stehen, habe ich haufenweise Möglichkeiten, mein Erbgut in Umlauf zu bringen wie eine Grippe, und so meine spezifischen Fähigkeiten weiter zu verteilen. Künftige Generationen könnten vielleicht weniger gut Jojo spielen, dafür würde aber das Internet überquellen mit geistreichem Geschreibsel. Wenn jetzt allerdings plötzlich ein abgefahrener Jojo-Hype losbricht weil es da voll die coole neue Sitcom über Jojos gibt, und plötzlich niemand mehr lesen will, sitze ich auf dem Trockenen und die Jojo-Spieler unter euch brauchen ihre Fingerfertigkeit anderweitig. Und in Zukunft laufen alle mit ihren Smart-Jojos herum, schreiben sich auf Facejojo, und aus YOLO wird JOJO.
Es gibt sogar Leute, die sich mit der Frage beschäftigt haben, was eigentlich passiert, wenn sich der Trend, dass Akademiker weniger Kinder zeugen als inzestuöse Bauerntölpel, bestätigt und weiter ausbaut. Das Ergebnis kann man im Film „Idiocracysehen, und es ist echt peinlich, aber irgendwo auch sehenswert.
Natürlich ist Darwins eigentliche Theorie ein wenig langatmiger als das Beispiel, das ich euch gerade vorgestellt habe. Jojo-Spieler und ich werden in etwa gleich viele Kinder zeugen, und heutzutage ist Fortpflanzung und Überleben eine weitaus freiere Sache als damals. (Weil echt viele Kinder überleben, und man sich meistens für das Kinderkriegen entscheidet. Und weil es Kondome gibt. In Höhlen-Zeiten hat man ein wenig Snu-Snu gemacht, und was bei raus kam wurde mit Glück älter als drei Wochen. Im Tierreich zeigt sich das noch stärker, wenn bestimmte Tierarten quasi jedes Jahr einen ganzen Schwung Kinder in die Welt werfen, und vielleicht nur eines bis zum Erwachsenenalter überlebt.) Damals war es jedoch so: Wenn sich ein Merkmal eines Individuums als etwas nützlicher als das eines anderen Individuums herausstellt, überlebte dieses Individuum länger, pflanzte sich mehr fort und gab dieses Merkmal eventuell an die Kinder weiter. Diese überlebten auch ein wenig besser, konnten mehr Kinder zeugen und… ihr seht, wo es hin führt. So entwickeln sich über viele Generationen hinweg Eigenschaften, die das Überleben von Individuen soweit begünstigen, dass solche ohne diese Eigenschaft ausstarben. Das führt zunächst zu allgemeinen Verbesserungen innerhalb einer Spezies, die sich später besser gegen andere durchsetzen kann. Das ist die natürliche Selektion.
Übrigens: „Survival of the Fittest“ bedeutet nicht, dass ihr jetzt alle los rennen und trainieren solltet. Mit „Fitness“meint Darwin eigentlich den Grad der Anpassung an natürliche Bedingungen, den ein Individuum aufweist. Das kann auch Intelligenz sein, oder je nach Lebensraum ein schmächtiger Körperbau statt eines kräftigen. (Es gibt diese witzigen kleinen Urwaldpferde, glaube ich…)
Langer Rede kurzer Sinn: Darwin selbst hat sich gar nicht so viele Gedanken über Emotionen und ihre Entstehung gemacht, aber sie sind als Teil der evolutionären Entwicklung anzusehen, und scheinen einen biologischen Vorteil gehabt zu haben. In seinen Augen sind sie insitnktiv angelegt, und Teil unseres Erbgutes – immerhin sind sie über kulturelle und sogar Artengrenzen hinweg ähnlich angelegt. Sie können jedoch durch Erfahrungen modifiziert werden (vgl Behaviorismus). Sie sind mentale Zustände, die auf einen bestimmten Reiz hin sehr konsistent ausgeprägt sind, und automatisiert auftreten. Ihr wichtigster Zweck war allerdings die Kommunikation zwischen Individuen. Wenn ich sehe, dass Steve da drüben sich gerade in die Hose pinkelt und vor Angst schreit, sollte ich meine Einschätzung, dass das hier eine „absolut tigerfreie Zone ist, Bro!“ lieber überdenken. Sie können sogar willkürlich eingesetzt werden, Beispiel schlecht erzogenes Kleinkind in Bahn, das unbedingt noch einen Keks haben will, und deswegen schreit und weint. Darwin sah in Emotionen aber auch eine organismische Fitness-Steigerung: Wer bei Überraschung die Augen weit öffnet, verbessert damit schnell seine Wahrnehmung und kann umfassender reagieren, bei Angst ziehen wir Luft ein, und führen unserem Körper mehr Sauerstoff zu.
Darüber hinaus gibt es von seiner Seite kaum Anmerkungen zu Emotionen. Das muss man ihm nicht gerade übel nehmen, ich vermute, dass der arme Mann genug Probleme hatte, seine anderen revolutionären Ideen weiter zu erforschen, und nur wenig Zeit hatte, diesen Aspekt auch noch zu hinterfragen.
Es gibt allerdings genug Ansätze, die auf seiner Arbeit aufbauen, und sich sehr genau mit Emotionen beschäftigen. Dazu sehen wir beim nächsten Mal McDougalls instinktive Emotionstheorie.

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