Ich möchte nun näher auf die Funktionen von Emotionen eingehen, die an manchen Stellen bereits angedeutet und oberflächlich behandelt, jedoch nicht weiter vertieft wurden.
Emotionsfunktionen beschreiben Vorteile, die Emotionen uns verschaffen, oder sozusagen Dienste, die sie uns liefern. Es geht dabei im Wesentlichen um kognitive Leistungen, zu denen wir ohne Emotionen nicht oder nur schlecht in der Lage wären. Zu nennen sind:

  • die bedürfnis- und situationsgerechte Auswahl von Verhaltensweisen
  • das Regulieren von Intensität und Dauer bestimmter Verhaltensweisen
  • Lerneffekte
  • Kommunikation und Sozialregulation

Auswahl von Verhaltensweisen

Im ersten Moment wirkt es komisch, dass Emotionen uns helfen sollen, zu entscheiden ob wir lieber Himbeer oder Vanille wollen, oder ob wir etwas zu trinken brauchen oder ob wir dem Kerl, der uns gerade auf die Schuhe gekotzt hat jetzt eine Klatschen, oder ihm ein Wasser kaufen. Im Endeffekt sind Emotionen aber Hinweise. Sie zeigen uns, was unser Körper von der aktuellen Situation hält, was unser Unterbewusstsein darüber denkt und wie unser Bewusstsein das alles zugeschoben bekommt wie einen Spicker in der Mittelstufe. In letzterer Situation könnte ein Zusammenspiel aus unserer guten Laune, der Erinnerung, dass wir auch mal hilflos gekotzt haben, und einem mittleren Alkoholpegel dazu führen, dass wir die Sache gar nicht so ernst nehmen, Mitleid empfinden und dem armen Kerl helfen. Somit sind Emotionen handlungssteuernd.
Als Faustregel kann man das formulieren, was eigentlich auf der Hand liegt: Positive Emotionen führen zu einem annäherndem Verhalten, lässt uns offen der Situation gegenübertreten und weckt Tendenzen, bestimmte Ziele zu erreichen; negative Emotionen führen zu Vermeidungsreaktionen wie Angst oder Wut geflogt von Flucht oder Kampf.

Regulieren von Verhaltensweisen

Wann wir fertig sind mit dem Frustessen, wie viel wir arbeiten müssen, um kein schlechtes Gewissen zu haben und ob wir eine Tätigkeit weiterhin ausüben, wird auch mitunter von Emotionen geregelt. Was einfach erklärt werden kann: Wenn mir etwas Spaß macht, setze ich es fort.

Lernen und Abspeichern von Verhaltensweisen

Auf ähnliche Art werden Lerneffekte von Emotionen unterstützt. Nach der dritten Trennung von ein und derselben Person bekommt etwas in uns vielleicht langsam mit, dass diese ganze Sache eigentlich mehr Leid als Freude in die Welt bringt, und es doch eine viel tollere Idee wäre, niemals wieder eine Beziehung führen zu wollen und bis ans Lebensende mit dem besten Bro in einer WG zu leben.
Wenn wir positive Emotionen mit etwas verbinden, ist es wahrscheinlicher, dass dieses „Etwas“ wiederholt wird; haben wir jedoch negative Erfahrungen gemacht, nehmen wir in den meisten Fällen eher Abstand. (Außer wir sind Wissenschaftler. Wissenschaftler versuchen alles mindestens vier Mal und gucken, ob es wiederholbar ist. Auch wenn Stromschläge enthalten sind. Science, yeah!) Diese eigentlich recht einfache Erkenntnis heißt nach Edward Thorndike Law of Effect und ist Grundlage seiner Lerntheorie.

Kommunikation und Sozialregulation

Eigentlich ist es nahezu unnötig, hier auf die kommunikativen Auswirkungen von Emotionen einzugehen. Wenn ein hübsches Mädchen weint, weckt das den strahlenden Ritter in jedem Mann, und das Lachen einer uns sympathischen Person ist ansteckender als Malaria. (Ich hatte kurz überlegt, ob der Vergleich mit einer Geschlechtskrankheit hier nicht aussagekräftiger wäre, aber die meisten Beziehungen sind nicht so intim.)
Das liegt insbesondere am intensiven Ausdruck, den Emotionen erzeugen: dem behavioristischen Aspekt, über den wir beim letzen Mal gesprochen haben. (Beziehungsweise ich. Ich habe gesprochen. Ihr lest nur, und seid einfach zu baff, um zu antworten, ich verstehe schon.)

Doch neben diesen Funktionen und den Aspekten, die in den Emotionstrias (hier und hier) erwähnt werden, gibt es noch weitere Aspekte von Emotionen, was irgendwie scheiße klingt, aber leider so ist. Die Aspekte in den Trias beschreiben in der Definition enthaltene Teile des Emotionserlebens und ihrer Wahrnehmung, die weiteren Detailaspekte, die ich beim nächsten Mal erklären werde gehen eher auf ein Zwischending aus diesen Funktionen und den Trias ein. Weiter geht es also mit den unterschiedlichen Arten, auf die Emotionen uns beeinflussen.

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