Endlich kommen wir zu den Theorien, die hinter der Emotionsforschung stecken. Der erste Erklärungsversuch, dem wir uns widmen, ist der behavioristische.

Der Behaviorismus ist eine der großen Grundherangehensweisen an die Psychologie. Wenn man etwas über den Behaviorismus als solchen weiß, ist der Schritt zum zugehörigen Verständnis von Emotionen auch nicht mehr weit, also beginnen wir hier:
Der Behaviorismus beschäftigt sich – leicht vom Namen ableitbar – mit dem Verhalten, das Lebewesen nach außen hin zeigen. In der Theorie sind innere Beweggründe und Gefühle direkt mit nach außen hin gezeigten Reaktionen verbunden, was durch Lernprozesse geschieht. Dabei ist der objektive, wissenschaftliche Ansatz wichtig, den Behavioristen bevorzugen, um Subjektivität auszuschließen: sie beobachten. Diese Sichtweise bildete sich zu Beginn des 20 Jahrhunderts, unter anderem hinter John Watson, auf den auch unten stehende Emotionstheorie zurückgeht: kurz nachdem die Psychologie ihren Wandel zur vollwertigen Naturwissenschaft vollzog, und es sehr populär war, sie auch als solche zu betreiben. Der Erzfeind aller Behavioristen ist die Introspektion, also Werturteile über das eigene Erleben und Verhalten zu treffen, ohne wissenschaftliche Maßnahmen anzuwenden oder überhaupt anwenden zu können.

Die hierzu gehörige Emotionstheorie kann man sich also leicht erklären: die Betonung liegt auf dem Verhaltensaspekt der Emotion und den dazugehörigen Auslösern, deren Zusammenhang erlernbar und modifizierbar ist.
Es wird also angenommen, dass Emotionen „chaotische“ Reaktionsmuster sind, die durch bestimmte und für diese Emotion charakteristische Umweltbedingungen ausgelöst werden. Diese Reaktionsmuster sind modifizierbar und erlernbar – zum Beispiel durch Belohnung und Bestrafung.
Interessanterweise schlägt Watson nun vor, dass es zu Beginn in einem Organismus nur drei Grundemotionen gibt: Furcht, Wut und Liebe. Dass unsere Gefühlswelt sich trotzdem ein weeeeenig komplexer anfühlt, erklärt er damit, dass diese Grundemotionen bereits in den ersten Lebenstagen modifiziert und damit differenziert werden. So könnte Neid zum Beispiel durch eine Kombination aus Liebe und Wut herbeigeführt werden, oder Trauer aus Liebe und Furcht. Was jetzt klingt wie Farblehre in der Grundschule ist eigentlich ein komplexes System aus Anpassungen, die unsere emotionale Aufnahmefähigkeit über unser Leben hinweg verändert. Die folgende Tabelle zeigt die Ausgangslage:

Die komplexe Beziehung von Reizen, Emotionen und Reaktionen, durch die Emotionen entstehen können.

Eine gute Übersicht zu einem späteren Zustand ist nahezu unmöglich zu erstellen, da sie sich aufgrund unserer Erfahrungen und erlernten Prozessen stark unterscheiden.

Um das alles hier nicht einfach leer dahingesagt stehen zu lassen, liefere ich beim nächsten Mal einige Forschungen zum Thema nach, auch wenn ein spezieller Fall – das Experiment mit dem kleinen Albert – mich fast zur Weißglut bringt, und das, obwohl ich Kinder nicht einmal mag. Im Anschluss liefere ich noch einige Kritikpunkte an der Theorie.

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