„Attribution“ beschreibt in der Psychologie die Suche nach Ereigniskausalität, also nach den Ursprüngen bestimmter Vorkommnisse. Es geht also um das Beantworten von „Warum?“-Fragen, wie:

  • Warum ist Bill Gates eigentlich so scheiße reich, während ich mich gerade zwischen der Miete und einem Cheeseburger entscheiden muss?
  • Warum trinke ich bereits eine Woche nach den fatalen Worten „Nie wieder Alkohol!“ schon wieder den edlen Kaliskaya-Orange?
  • Warum sehe ich mit Bart doof aus, Jon Schnee aber nicht?

Attributionstheorien versuchen also zu beschreiben, wie Menschen Informationen nutzen, um Zusammenhänge und Erklärungen zu generieren. Der amerikanische Psychologe Fritz Heider beschrieb den Menschen in diesem Zusammenhang um 1958 als „intuitiven Psychologen“, der seine Umgebung kausal analysiert, um soziale Begebenheiten um sich herum zu verstehen.
Dabei sind die beiden Grundfragen der Attribution:

  1. liegt die Ursache des Verhaltens
    • in einer der handelnden Personen?
    • in der Situation?
  2. Wer ist verantwortlich für das Ereignis?

Die Antwort der zweiten Frage ergibt sich dabei aus der Antwort auf die erste. Die wichtigste Grundlage bleibt also, zu klären, was die kausale Ursache für das beobachtete Ereignis ist:
Ist es eine bestimmte Person spricht man hier von internaler Kausalität, was bedeutet, dass die Begründung im Verhalten oder den Ansichten einer der handelnden Personen liegt. Das nennt man auch dispositionale Kausalität.
Sind jedoch die äußeren Umstände verantwortlich, wird von externaler oder auch situativer Kausalität ausgegangen.

Ein Beispiel:
Angenommen, eine unbedeutende Person, die behauptet, zu viel Zeit zu haben, sich aber eigentlich nur vom Lernen ablenken will, beschließt, einen Blog zu schreiben. Nachdem sie einige Projekte in Erwägung gezogen hat, eröffnet sie innerhalb einiger Tage ein ganzes Konglomerat von Seiten, die sich allesamt mit langweiligen Spartenthemen beschäftigen und durch einen flachen Witz in der Namensgebung miteinander verknüpft sind. Nennen wir diese Person, zu Anschauungszwecken, einmal „Powl“.
Nach ein paar Einträgen werden diese atemberaubenden Blogs natürlich bekannt. Powl wird weltweit gefeierter Star-Blogger, reist über den Globus, isst mit Präsidenten und tanzt mit Unterwäschemodels, während er alle mit seinem Wortwitz amüsiert und mit seinen Themen überrascht. Doch eines Tages erhält er einen Kommentar, der schrecklicher nicht sein könnte. Einen Kommentar, der sein Leben zu zerstören droht: Der User xXHaterXx schreibt: „This is okay, but not too good at all.“ (Seht ihr, hier wird das Alles rein hypothetisch!)
Powl stürzt in Depression, trinkt und geht kaum noch vor die Tür, und sucht eines Morgens, im stickigen Zimmer eines kleinen Motels nach Antworten. Er versucht sich zu erklären, was den Leser dazu bewegt haben könnte, sein Leben zu zerstören.

  • Da xXHaterXx der einzige war, der Powls Post nicht mochte, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein dispositionaler, also von seiner Persönlichkeit kommender Ansatz der Grund war. Der Hater ist eine verruchte Seele, die kein Glück empfinden kann, und mochte den Blog deshalb nicht.
  • Würden jedoch unter dem gleichen Post weitere negative Rückmeldungen auftreten, wäre die Begründung vermutlich eher situativ. Der Post war einfach nicht gut, und kaum jemand mag ihn. xXHaterXx hat vollkommen recht damit, ihn unter diesen Umständen nicht zu lieben.

Attributionen sind natürlich immer subjektiv getroffene, meist unbewusste Entscheidungen für eine bestimmte Erklärung. Welche Umstände zu welcher Einschätzung führen, und wann und wie Attributionsfehler auftreten, behandle ich hier:

  1. Attribution und Kovariation – das „Näheprinzip“
  2. Die drei Dimensionen der Attribution
  3. Aussagen der Dimensionen
  4. Attributionsfehler 
[Edit: Ich habe noch ein weiteres Thema gefunden: Attributionen im Zusammenhang mit unserem Unterbewusstsein. Lest hier!]

4 comments on “Attribution – Wo liegt der Grund?

  • Die Punkte sind gut erklärt.
    Aber müssen die beigefügten Fallbeispiele wirklich so extrovertiert und ausschweifend sein? Was wird damit bezweckt? Die blumig ausgeschmückten, bizarren Fallbeispiele lenken die Aufmerksamkeit des Lesers ab und absorbieren überflüssigerweise Energie.

    Besser für das Verständinis und den Lerneffekt wäre es, typische Alltagskonstellationen darzustellen.

    • Hi 🙂

      Erst Mal danke, und freut mich, gutes Feedback zur Erklärung zu bekommen. Und freut mich noch mehr, konstruktives Feedback zum Rest zu bekommen!

      Die ausschweifenden Beispiele erklären sich dadurch, dass mir beim Schreiben nicht unbedingt das Leserverständnis als einziger Fokuspunkt wichtig war. Angefangen habe ich damals mit dem Blog einerseits als Lernstütze für mich selbst, andererseits aber auch weil ich einfach gerne Texte schreibe. Mir fällt spontan niemand ein, der gerne ausschließlich sachliche Erklärtexte schreibt – für mich waren die ausschweifenden Beispiele Teil meiner Motivation, um mich beim Lernen amüsiert zu halten. Aus heutiger Sicht, und Sicht eines Lesers verstehe ich aber, dass das dem eigentlichen Hauptziel – schnell und einfach einen Überblick über ein Thema serviert zu bekommen – etwas konträr gegenübersteht. Auch wenn ich hoffe, dass der Humor für einige das Lernen etwas vereinfacht. Mir jedenfalls würde das als Leser helfen am Ball zu bleiben.
      Deshalb plane ich eigentlich auch nicht, auf komplett alltagstaugliche Beispiele umzusteigen – das passt irgendwie nicht zu mir und zu meinem Schreibprozess.
      Was ich aber sehr gerne aus diesem Feedback mitnehmen kann, ist, dass ich mich ggf etwas kürzer fassen könnte, wenn ich das eigentliche Thema schon so weit hinter mir lasse – oder in Zukunft vielleicht nicht ganz so weit abschweife 🙂

      Viele Grüße!

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